»Wir haben schon genug Neuware«

Valentin Gritsch

Vor gut zwei Jahren startet Valentin Gritsch in die Selbstständigkeit und gründet gemeinsam mit zwei Partnern die eco IT Solutions. Ihr Hauptgeschäft: nachhaltige IT für Unternehmen. Valentin ist es wichtig, bei der Hardware vor allem auf gebrauchte Waren zurückzugreifen und bei der Software im Notfall auch selbst etwas zu entwickeln, statt auf Großkonzerne angewiesen zu sein. Nebenbei repariert der steirische Unternehmer Geräte aller Art. Wer Dinge zu Valentin bringt, wird sich vielleicht wundern: Von Computern über Haushaltgeräte bis hin zu Fahrrädern bringt er alles wieder zum Funktionieren.

Valentin sucht ständig die Herausforderung: Dinge zweimal auf dieselbe Weise zu machen, ist ihm in der Regel schon einmal zu oft. Eine Lösung für ein Problem sucht er lieber gleich als später: »Ich kann nichts aufschieben, es muss immer alles sofort fertig sein.«

Wie ein Besuch im Reparaturcafé sein Leben verändert hat verrät Valentin im Interview:

Wie geht nachhaltige IT? Was machst du anders?

Valentin Gritsch: Ich bin der Meinung, dass wir in fast allen Bereichen bereits genug Neuware produziert haben und damit sofort aufhören könnten. Insbesondere in der IT ist die Hardware so gut, dass Standardnutzer:innen sie praktisch nie jemals in vollem Umfang nutzen können. Laptops und PCs mit Prozessoren aus 2015 lassen sich ohne Weiteres durch zusätzliche RAM und eine SSD zu perfekten Arbeitsgeräten für (fast) jeden Menschen machen. Geräte ab 2017 brauchen in der Regel überhaupt kein Hardwareupgrade mehr.

Viel zu oft bekomme ich ein Gerät von Neukund:innen, dass laut dem aktuellen IT-Dienstleister keine Updates mehr zulässt und ausgetauscht werden muss. Für durchschnittlich 200 € wird daraus ein Gerät, dass man noch Jahre weiterverwenden kann. Wenn ein Gerät wirklich nicht mehr zu retten ist oder zusätzliche Geräte notwendig sind, dann bieten wir gebrauchte Hardware an. Die kostet in etwa ein Drittel von vergleichbarer Neuware!

Wenn wir für uns oder unsere Kund:innen Software benötigen, nehmen wir bevorzugt Open-Source-Varianten, die wir an die genauen Bedürfnisse anpassen. Wenn das nicht möglich ist, entwickeln wir selbst effiziente Lösungen. Closed-Source-Software kommt bei uns nur im absoluten Ausnahmefall zum Einsatz.

Du zeigst: Es geht auch reparieren, statt neu zu kaufen. Was hat dich motiviert, diesen Weg einzuschlagen?

Ich glaube, es war 2015, als ich das erste Mal ein Reparatur-Café besucht habe. Ich war sofort begeistert von den vielen Bastler:innen, die gemeinsam getüftelt haben, um alten und defekten Geräten neues Leben einzuhauchen. Beim zweiten oder dritten Mal durfte ich beobachten, wie ein Helfer die Scharniere eines Laptops wieder zusammengeschweißt hat. Spätestens da wusste ich, dass ich das – und noch viel darüber hinaus – auch machen will. Seitdem helfe ich dort regelmäßig mit und habe viel praktisches Wissen erworben.

Wohin geht es in der Zukunft für die IT-Branche und für dich und dein Unternehmen?

Es braucht, wie in allen Branchen, viel mehr Automatisierung. Dadurch könnte es erheblich kürzere Arbeitswochen und mehr Freizeit geben. Ich glaube auch, dass Homeoffice Standard bleiben wird. Heute möchte niemand mehr stundenlang zu seiner Arbeitsstätte pendeln, um dort vor einem PC zu sitzen. Wir leben diese Flexibilität bereits und bekommen dazu auch sehr gutes Feedback.

Vielen Dank für das Interview!

Das Interview führte Vanessa Zwieb

Links:

Website: ecoitsolutions.at


Fotocredit Titelbild: Canva