Prime Tours – Eintauchen ins Grätzl

Prime Tours ist ein junges Unternehmen, das mit seinen innovativen Tourenkonzepten den klassischen Tourismus um den Erlebnistourismus bereichert. Das Unternehmen handelt ganz nach dem Motto „be a local for a day“: Kund*innen bekommen auf den verschiedenartigen Touren die Möglichkeit, in die Kultur, die Bräuche und die Geschichte Wiens abseits der klassischen Touristenpfade einzutauchen. Wir haben die zwei Gründer Tobias Tomaschko und Clemens Sengwein zu ihrem Konzept befragt.

Was genau bietet ihr an?

Es hat alles mit dem „Free Walking Tour“-Konzept begonnen, das wir erstmals in Wien angeboten haben. Auf dieser Tour haben Kund*innen die Möglichkeit, erst nach der Tour zu entscheiden, wie viel sie ihnen wert war. Dieses transparente Konzept erlaubt dem Guide bei jeder Tour sein Bestes zu geben, und den Kund*innen, nach dem eigenen Budget und Empfinden zu handeln. Wir konnten dadurch so viele Leute erreichen, dass sich das Produktportfolio mittlerweile von den berühmten Kick Bike (große Tretroller) Touren durch die Grätzl Wiens, über einzigartige Street Art Touren, bis hin zu Kulinarik Touren erweitert hat. Außerdem gibt es zu jeder Jahreszeit die passende Tour, wie z. B. zu Weihnachten die beliebte Christmas Market Tour, wo über Bräuche gesprochen wird, versteckte Märkte entdeckt werden und natürlich Essen & Punsch verkostet werden!

Tobias Tomaschko
©Prime Tours

Wie war der Weg dorthin?

Wohin ist die Frage. Wir hatten es von Anfang an nicht einfach. Durch die reglementierten Gewerbe kann es vorkommen, dass wir für eine geführte Bus-Tour von Wien nach Salzburg, drei verschiedenen Gewerbescheine benötigen (Reisebüro, Fremdenführer, Mietwagen). Solche Hindernisse sind gerade in der Anfangszeit sehr schwierig zu bewältigen. Noch dazu fand und findet das System der Free Tours vor allem bei vielen Fremdenführer*innen keinen großen Anklang. Wir haben vor ein paar Wochen in Salzburg gestartet und erleben dasselbe Szenarium wie in Wien. Es wird immer jemanden geben, der meint, dass nicht richtig ist, was wir machen. Jedoch machen wir unsere Sache so gut, dass sie sehr schnell erfolgreich wurde und deshalb machen wir weiter, egal, welche Hindernisse auf uns zukommen, wir finden sicherlich ein Weg daran vorbei!

 

Welche ganz besonderen Touren bietet ihr an?

Clemens Sengwein
©Prime Tours

Bei Prime Tours haben Gäste die Möglichkeit, nicht nur zu Fuß, sondern auch auf dem Kick Bike die Stadt kennen zu lernen. Solche Bikes besitzt kein anderer Anbieter. Sie machen unheimlich Spaß zu fahren und man macht noch dazu Bewegung. Per Kick Bike kann man einfach eine gemütliche Grätzl Tour oder eine außergewöhnliche Street Art Tour entlang des Donaukanals machen. Auf all unseren Touren steht der/die Kund*in im Vordergrund, er/sie entscheidet im Vorhinein oder während der Tour, wo es lang geht, was er/sie sehen möchte und auf Grund seiner/ihrer Interessen wird die Tour jedes Mal angepasst. Jede Tour ist mit jeder Gruppe anders, es gibt nicht die eine Tour! Das ist, was unsere Touren zu einem interaktiven Erlebnis machen!

 

Wie erleben Tourist*innen Wien mit euch?

Das Ziel ist bei Tourist*innen als auch bei Einheimischen, die Stadt aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Wien ist mehr als tolle Architektur, klassische Musik, Schnitzel und Oper! Es gibt auch Sozialbauten, Burschenschaften, eine skurrile konservative Regierung, lässige Techno Schuppen, das AMS, ein tolles Schulsystem, Seen, Berge und so viel verstecke und schöne Plätze, die noch wenige für sich entdecken konnten. Wir bieten die meisten Touren auf Englisch an (gerne Privattouren auch auf Deutsch), damit eben der/die Wiener*in auf Tourist*innen trifft, neue Freundschaften schließt und ein interkultureller Austausch stattfindet. Mit unseren Touren bieten wir die perfekte Plattform dafür!

 

Ihr sprecht also nicht nur Touristen, sondern auch Einheimische an?

Ja, ganz genau. Wir laden Wienerinnen und Wiener, Österreicherinnen und Österreicher ein, ihre eigene Hauptstadt von einer anderen Perspektive kennenzulernen. Speziell auf unseren Grätzl und Street-Art Touren lernen sie lokale Galerien, urige Beisls und Bars, sowie lokale Künstler kennen. Wien ist eine vielseitige und weitläufige Stadt, was es unmöglich macht, alles zu kennen. Auch wir lernen täglich etwas Neues dazu und entdecken besondere Plätze und diese Erfahrung möchten wir mit Einheimischen und Tourist*innen teilen. Es geht also vor allem um Plätze und Personen, die man nicht per Mausklick im Internet findet und Geschichten, die einem nicht täglich auf Facebook gezeigt werden. Das macht Prime Tours einzigartig! Besonders ab Juni mit unseren Workshops & Kursen in der Prime Lounge wollen wir gezielt das Wiener Publikum ansprechen und das Grätzl beleben.

Die meisten Wiener*innen haben sicherlich noch nie „Tourist*in“ in der eigenen Stadt „gespielt“, daher entgehen einem oft wirklich tolles Hintergrundwissen, versteckte Plätze, Lokale, Cafes. Auch die Wiener*innen selbst haben alle sehr viel zu erzählen. Wir sprechen mit Lokal-, Galerien- oder Restaurantbesitzer*innen, welche alle einen anderen Blickwinkel auf die Stadt haben und eigene Erfahrungen gemacht haben. Nur ein Tag mit Prime Tours hilft ein Bewusstsein für diese tolle Stadt zu bilden oder zu verstärken und mit offenen Augen durch die Straßen zu spazieren um künftig womöglich auch eine andere Sicht auf die Stadt mit der besten Lebensqualität zu haben.

 

Wie wählt ihr die Grätzl aus?

Wir starten prinzipiell immer in Reindorf, da wir dort unsere „Prime Base“ und die Kick Bikes ihr Zuhause haben. Außerdem ist dieses Viertel sehr geschichtsträchtig. Von dort geht es dann über den Gürtel weiter in den 6. und 7. Bezirk und zurück über 4. und 5. Bezirk. Clemens’ Familie wohnt seit über 100 Jahren in der Reindorfgasse, da gibt es von Haus aus sehr viel zu erzählen. Bei diesen Touren ist es einfach wichtig, Bezirke und Grätzl aus einem anderen und neuen Blickwinkel kennenzulernen. Deshalb können wir nur dort Touren anbieten, wo wir selbst einen persönlichen Bezug haben. Vor allem im Winter wird es in den Bezirken mit Weihnachtsmärkten besonders spannend. Im Sommer wird es überall mit Natur, wie Wasser oder Parks sehr interessant, denn da finden viele Events und Veranstaltungen statt. So viele, dass es schwer wird, alle zu besuchen. Die besonders spannenden bleiben uns jedoch erhalten und tauchen jedes Jahr wieder auf.

Was macht die besuchten Grätzl besonders spannend?

Wir starten in der Reindorfgasse im 15. Bezirk, dem sog. Arbeiterbezirk, „Rudolscrime-Fünfhausen“, einem Bezirk mit großer kultureller Diversität. Die jahrhundertalte Geschichte formte diesen Bezirk zu dem, was er heute ist. Hier wird mir Vorurteilen aufgeräumt und neue Sichtweisen nähergebracht. Neubau und Mariahilf als „Hipster“-Bezirke, mit über 55 Prozent Akademikern, stehen im Kontrast dazu. Sind diese Bezirke allerdings wirklich so verschieden? Auf diesen Touren wird man zum Nachdenken angeregt! Einige Bezirke haben ein größeres Volumen an Street Art, Cafés und Lokalen, andere wiederum haben spannende sozial- und politische Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt. Je näher man dem Stadtzentrum kommt, desto monumentaler wird es!

Es gibt zurzeit einige Gegenden, die richtig am Aufblühen sind. Man sagt schon seit Jahren, dass der 15. Bezirk der neue Hipster Bezirk werden kann, denn dieser lockt mit speak easy bars, Haubenlokalen und hippen versteckten Innenhöfen. Jedoch auch der 16. Bezirk, rund um die Ottakringer Straße ist sehr belebt mit einer Vielzahl an tollen Geschäften, originellen Barkonzepten und viel Natur zu entdecken. Der 2. Bezirk ist seit der Errichtung der neuen WU am Abheben. Die illegale Prostitution wurde verbannt, coole Clubs sind entstanden und mit ihnen kamen die Student*innen, Künstler*innen, Akademiker*innen, die alle Interesse an einem schönen Grätzl haben. Ähnliches zeigt sich auch im 12. Bezirk rund um den Margarentengürtel. Wir haben das Gefühl, dass es im Moment an vielen Stellen zum Aufblühen beginnt und die Vorurteile oder Stereotypen einzelner Bezirke und Grätzl langsam verschwinden.

 

Was heißt Grätzlwirtschaft für euch?

Grätzlwirtschaft heißt für uns, eine gute Zusammenarbeit mit unserer direkten Nachbarschaft. Ein Miteinander und eine unterstützende Funktion aller Standorte für einander. Es bedeutet eine gewissen Regionalität, auf das Grätzl bezogen. Warum soll ich zu einem Fahrradgeschäft außerhalb meines Grätzls gehen, wenn ich eines gleich in der Gasse habe. Es geht darum, sich gegenseitig positiv zu unterstützen und voranzubringen. Durch eine gute Zusammenarbeit florieren die einzelnen Geschäfte und somit auch seine Einwohner und das Grätzl.

©Prime Tours

Wie seid ihr in eurem Grätzl verankert?

Unsere Touren lassen wir erst seit knapp einem Jahr von der Reindorfgasse aus starten, seitdem sind wir auch dabei, uns im Grätzl einzubringen und zu verankern. Wir haben mit diversen Geschäften, Restaurants und Lokalitäten Kooperationen und machen während unserer Touren Stopps oder lassen unsere Kick Bikes servicieren. Wir haben uns von Anfang bemüht, uns einzubringen und positiv aufzufallen und haben auch beim alljährlichen Reindorfgassen Straßenfest letztes Jahr einen eigenen Stand gehabt, um die Möglichkeit zu bieten, die Kick Bikes auszuprobieren oder mehr über uns und unsere Touren zu erfahren. Clemens wohnt auch in der Reindorfgasse und engagiert sich dort.

 

Wie sind die Reaktionen aus dem Grätzl?

Die Reaktionen sind durchwegs positiv. Alle Betriebe und auch Einzelpersonen finden cool, war wir machen und viele haben uns auch schon bei diversen Dingen unterstützt. Wir sind sehr glücklich, unsere Touren von der Reindorfgasse im 15. Bezirk starten zu können, und könnten uns auch kein besseres Grätzl in Wien vorstellen. Reindorfgasse rocks!

 

Kontakt:

WEB: www.primetours.at

MAIL: bookings@primetours.at