FREUD UND LEID DER WÄHRINGER STRASSE

Geschäftsstraßen stellen einen besonderen Teil der Nahversorgung dar

Guido Schwarz, Foto: August Lechner
Unser Autor Guido Schwarz, Foto: August Lechner

Auf manchen findet man einen bunten Branchenmix, andere wiederum haben Schwerpunkte, keine hat es heute leicht. Zu groß ist die Konkurrenz durch Einkaufszentren und den Online-Handel. Die Währinger Straße gehört zu den besser funktionierenden Einkaufsstraßen Wiens, wobei der Blick diesmal auf den 18. Bezirk fällt.

Hier gibt es neben einem Schwerpunkt auf Bekleidung auch einen sehr bunten Branchenmix mit vielen eigentümergeführten Geschäften. Da die Straße relativ schmal ist, können die verschiedenen Platzbedürfnisse nicht alle befriedigt werden: FußgängerInnen, Autos, Lieferverkehr, Straßenbahn, RadfahrerInnen, Schanigärten und Grünflächen. Es gibt nicht genug Platz für alle, daher werden Kompromisse notwendig: So wurden beim Umbau im Sommer 2018 zwar Bäume gepflanzt, allerdings nur 14 Pflanzen auf 1,7 Kilometer Länge.

Des einen Freud, des anderen Leid:

Wenn die Bäume in einigen Jahren groß sind, werden sie die Straße und somit auch das Flanieren oder Einkaufen durch ihren Schatten vor allem an heißen Tagen attraktiver machen. Auf der anderen Seite wird befürchtet, dass das Laub die Straße verschmutzt und die Bäume die Auslagen verdunkeln. Und natürlich kommt auch die Kritik, dass einige Parkplätze weniger zur Verfügung stehen.

Es gibt neue Bänke auf jenen Gehsteigteilen, die breit genug dafür sind. Dadurch können Menschen, die auf ihren Fußwegen da und dort eine Sitzgelegenheit brauchen, sich wieder auf die Straße wagen. Die niedrigeren, modern gestalteten Bänke laden vor allem Kinder und Jugendliche zum Verweilen ein. Das wiederum ist anderen ein Dorn im Auge, denn sie befürchten, dass dort Menschen sitzen, die sie nicht sehen wollen – etwa Obdachlose oder Betrunkene. Auch manche Geschäftsleute äußern diese Ängste.

Die bei den Quergassen vorgezogenen Gehsteige samt Niveauausgleich machen den Fußweg sicherer, denn Fahrzeuge müssen ihre Geschwindigkeit reduzieren, wenn sie abbiegen wollen. Auch die Übersichtlichkeit der Kreuzungen wurde durch diese Maßnahme verbessert. Das wiederum finden diejenigen schlecht, die darin eine Verknappung der Parkplätze sehen. An den Ecken durfte man zwar nie legal parken, aber es war immerhin möglich.

Der Schwerpunkt auf Bekleidung, vor allem auf Kindermode, macht das Einkaufserlebnis einerseits attraktiver, weil viel Auswahl geboten wird, andererseits konkurrenzieren sich dadurch die zahlreichen Geschäfte mit ähnlichem Angebot. Nicht alle florieren, von Zeit zu Zeit gibt ein Gewerbetreibender auf und sperrt zu.

Auch das hat wieder Vor- und Nachteile: Einerseits gibt es die Chance auf Erneuerung und ein neues, vielleicht interessantes Geschäft, andererseits gibt es eine Zeit lang einen unattraktiven Leerstand und möglicherweise ein neues Geschäft, das ein ähnliches Angebot hat wie das, das zugesperrt hat.

Die Straßenbahn macht die Straße attraktiver, weil die Menschen beim Vorbeifahren die Schaufenster ansehen können, andererseits müssen sie bei der nächsten Station aussteigen und eine gewisse Strecke gehen, wenn sie sich tatsächlich etwas kaufen wollen. Zusätzlich verhindern die Schienen und die Straßenbahn den Ausbau des Radverkehrs, der auf der parallel laufenden und sehr stark befahrenen Gentzgasse auch nicht gut aufgehoben ist. Durch die Schienenstraße gilt Höchstgeschwindigkeit 50 km/h – das ist einerseits für die Straßenbahn gut, weil sie ihren Fahrplantakt einhalten kann, bedeutet aber auch ein Sicherheitsproblem beim Überqueren der Straße, vor allem für Kinder und gebrechliche Menschen.

Auf der Währinger Straße gibt es auch zahlreiche Filialen großer Ketten:

dm, SPAR, diverse Banken und noch einige mehr. Das bringt einerseits hohe Frequenz, lässt auf der anderen Seite aber die Mieten steigen, was es für eigentümergeführte Geschäfte mit weniger hohen Umsätzen kostenmäßig schwerer macht.

Die ansässigen Lokale bräuchten von allem im Sommer Schanigärten, um ihr Geschäft aufrechterhalten zu können. Zugleich sind die Gehsteige aber fast überall so schmal, dass die Gastgärten nur in der Parkspur errichtet werden könnten. Dagegen sind aber die Wiener Linien, auch befürchten einige Lokale, dass fehlende Parkplätze das Geschäft verringern.

Die neuen LED-Beleuchtungen sparen ordentlich Energie und bringen durch ihr nach unten gerichtetes Abstrahlverhalten weniger Lichtverschmutzung für die direkt auf der Straße wohnenden AnrainerInnen. Manche Menschen fühlen sich aber jetzt unsicherer, weil die Straße etwas dunkler wirkt.

Das alles ist vor allem für die Politik eine große Herausforderung, denn für jede getroffene Maßnahme gibt es zugleich Lob und Tadel, BefürworterInnen und GegnerInnen.

Des einen Freud – des anderen Leid: Das gilt in besonderem Ausmaß für Geschäftsstraßen und die Währinger Straße ist ein gutes Beispiel.