GRÄTZEL-WERK-STADT NO. 4

Die meisten Menschen wünschen sich einen Wald, in dem sie sich wohlfühlen. Das ist kein Urwald, sondern ein bewirtschafteter, so genannter »Dauerwald«. Dieser zeichnet sich durch eine besondere Durchmischung von alten, mittelalten und jungen Bäumen aus und ist sehr resistent und gesund – wie beispielsweise der Wienerwald. So ein Wald verlangt intensive Pflege und Bewirtschaftung. In so einem Wald fällt man alle fünf bis sieben Jahre sieben bis acht große Bäume pro Hektar – »Durchforstung« nennt das die Fachfrau, der Fachmann.

Das Holz wird verwertet, und zwar in drei Varianten:

  1. Die »Bloche« ist das gesunde Holz des Stammes, es kommt ins Sägewerk. Der Idealfall wäre, wenn es vor Ort verwertet werden kann – d.h. ein Tisch oder ein Wandverbau ist aus Holz, das in der Umgebung geschlägert wurde. Das ist leider selten der Fall.
  2. Das »Faserholz« kommt Großteils nach Lenzing, wo es zu sehr hochwertigen Fasermaterialien verarbeitet wird, z.B. Viskose. Diese Fasern werden im Idealfall auch dort verarbeitet, woher das Holz stammt – also in Wien, wenn es im Wienerwald geschlägert wurde.
  3. Das »Hackgut« ist der Rest aus Ästen und wird Großteils verbrannt, z.B. für Fernwärmeerzeugung. Auch das passiert in Wien.
Jutebeutel
Bild: Maxdata

Eschen-Sterben im Wienerwald

Momentan leidet der Wienerwald leider unter dem »Weißstengelbecherchen«, einem Pilz, der aus Asien eingeschleppt wurde, und der alle bisher untersuchten Eschen befallen hat. Diese müssen leider gefällt werden. Die Suche nach resistenten Samen bzw. Trieblingen ist im Gange, bisher leider erfolglos.

Die ExpertInnen hoffen dadurch einen neuen Eschenbestand aufziehen zu können. Doch auch das befallene Holz wird verwertet und in speziellen Betrieben werden die daraus erzeugten Textilien zu hochwertiger Kleidung, Bezugsstoffen und vielem mehr verarbeitet.

Ein regionales Produkt

Mit einem neuen Projekt, in Kooperation mit der Firma Lenzing und Linz Textil, startet derzeit die A&M Kreativfabrik GmbH. Unter dem Label AustroTEX werden nachhaltige Werbetaschen aus Viscosefasern gefertigt, die aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz in Österreich hergestellt wird. Durch den cellulosischen Ursprung ist Viscose natürlich botanisch, nimmt Feuchtigkeit gut auf und fühlt sich angenehm weich an.

Schön klimaneutral

Da die nachwachsenden Rohstoffe aus Europa stammen und klimaneutral verarbeitet werden, ist der ökologische Fußabdruck im Gegensatz zur Baumwoll-Produktion wesentlich kleiner. Die AustroTEX-Taschen schauen ähnlich aus wie Baumwolle und können – genau wie bisher die Baumwolltaschen – individuell mit Firmenlogos und Bildern bedruckt werden. Die Weiterverarbeitung (Bedrucken und Nähen) erfolgt in Sozialbetrieben in Österreich.

Wertvolle Nachhaltigkeit

Nicht nur Qualität wird bei der Produktion der AustroTEX-Taschen großgeschrieben, auch Umweltschutz und Nachhaltigkeit spielen eine große Rolle. So werden viele Chemikalien und Nebenerzeugnisse, die beim Herstellungsprozess anfallen, als wertvolle Produkte wiederverwendet und weiterverkauft. Ein Beispiel ist die abfallende Xylose, die als Süßstoff in der Lebensmittelindustrie verwendet wird. Die Bäume aus dem »Grätzel« Wienerwald, werden also bis zum letzten Blatt verwertet. Sie kommen, im Besten Fall in Form von nachhaltig produzierten Taschen, wieder ins Grätzel zurück.

Mehr Infos zu den AustroTEX-Taschen gibt es hier.