INSZENIERUNG, IMAGEPOLITUR & ÖVP-PROPAGANDA

Die Medienbehörde KommAustria veröffentlicht regelmäßig die Ausgaben für Werbeschaltungen (Inserate, TV-Spots etc. ) aller öffentlichen Organisationen. Für Aufregung haben dabei kürzlich die Ausgaben der Bundesregierung 2020 gesorgt, liegen diese ja über dem Durchschnitt der letzten Jahre. Auch die Wirtschaftskammerorganisationen müssen alle Werbeschaltungen ab einem Wert von 5.000 € melden. Wir haben uns die Zahlen genauer angesehen – mit einem erstaunlichen Ergebnis:

AUSGABEN DER WKO FÜR WERBEEINSCHALTUNGEN 2020

dget BundeDie Wirtschaftskammerorganisationen zusammen gaben im Jahr 2020 ca. 16,3 Mio. € für Werbeschaltungen aus, das sind bei geschätzten Gesamteinnahmen von 1,075 Mrd. € [1]  ca. 1,51 % der Einnahmen.

Tabelle WKO Einnahmen im Vergleich zu Werbeschaltungskosten
WKO-Einnahmen im Vergleich zu Werbeschaltungskosten

Vergleich: Die Medienausgaben der Bundesregierung betrugen 47,5 Mio. [2] €, bei entsprechenden Einnahmen von 73,6 Mrd. € [3]. Das entspricht 0,05%.

Die Wirtschaftskammer hat also mehr als 30-mal so viel für Werbeschaltungen ausgegeben wie die Bundesregierung!

Werbeeinschaltungen WKO Einnahmen
Anteilige Werbeeinschaltungen WKO im Vgl. zur Bundesregierung

Wir fragen uns: Was bezweckt die WKO damit? Wohin fließt das meiste Geld?

Die WKO hat als Interessensvertretung den Auftrag sich für die Interessen ihrer Mitglieder einzusetzen und diese bestmöglich zu informieren. Gerade in einer Zeit wie dieser, in der Unternehmer*innen mit weitaus mehr Ungewissheit konfrontiert sind, ist das eine wichtige Aufgabe. Wenn die WKO also Geld in die Hand nimmt, um ihre Mitglieder über die coronabedingten Einschränkungen und die Hilfspakete zu informieren, finden wir das gut. Wenn sie jedoch einen großen Teil ihrer Ausgaben an den Boulevard und Ö3 überweist, stellt sich die Frage, was damit bezweckt und wie dort die Zielgruppe erreicht werden soll.

Die WKO und allen voran Harald Mahrer taten sich in der Vergangenheit nämlich regelmäßig durch peinliche Medienaktivitäten wie z.B. das Video zur Arbeitszeitflexibilisierung im Kuschelsound einer Jugendband o.ä. hervor.

Screenshot des Videos der WKO zur Arbeitszeitflexibilisierung

Auch die zuletzt in Kooperation mit Ö3 abgewickelten Gewinnspiele sorgten vielfach für Stirnrunzeln in Unternehmer*innenkreisen. Man gewinnt den Eindruck, es geht vor allem um die Inszenierung der Kammerpräsident*innen und den Kauf von wohl gesonnener Berichterstattung – mit dem Ziel der einseitigen Meinungsbildung, konzertiert mit der ÖVP. Besonders auffällig ist die rückswärtsgewandte Haltung der WKO in Sachen Klimapolitik, was Mahrer und der Wirtschaftskammer zuletzt sogar den Titel „Harry Mahrer und die Kammer des Schreckens“ (© Benedikt Narodoslawsky/Falter) einbrachte. Freilich in einem Medium, das von der WKO kaum mit Inseraten „bedacht“ wird.

Falter.morgen Kammer des Schreckens
Auszug aus dem Falter.morgen (08.02.2021)

Wir haben uns im Vergleich zu den Ausgaben der Wirtschaftskammer auch jene der Arbeiterkammer angesehen und sind zu ebenso bemerkenswerten Ergebnissen gelangt:

Die Wirtschaftskammer mit ihren 537.363 [4] Mitgliedern gab 2020 pro Mitglied im Durchschnitt 30,30 € für Werbeschaltungen aus, die Arbeiterkammer mit 3.786.000 [5] Mitgliedern hingegen nur 1,30 € pro Mitglied. Die WKO hat demnach, gemessen an der Zahl der Mitglieder, 23-mal so hohe Ausgaben für Werbeschaltungen wie die Arbeiterkammer.

Erneut zeigt sich, dass es der vom Wirtschaftsbund geführten WKO weniger um eine echte Interessensvertretung für die krisenbedingt schwer angeschlagenen Unternehmer*innen geht als um Imagepolitur und die einseitige Beeinflussung der öffentlichen Meinung!

Wir finden: Die Instrumentalisierung der Wirtschaftskammer durch die ÖVP, um einseitige Inhalte zu kampagnisieren, und die Finanzierung der ÖVP-Propaganda mit den Pflichtbeiträgen muss aufhören!

Werbeschaltkosten WKO nach Medium
Die Werbeschaltkosten der WKO nach Medium (2020)

[1] Die 1,075 Mrd. Einnahmen basieren auf den Voranschlägen für das Jahr 2020, die im Jahr 2019 – also vor dem Wissen über die Coronapandemie – erstellt wurden. Wenn man also bedenkt, dass die Einnahmen der Kammer wegen der Krise wohl deutlich niedriger sein werden, wiegen die 16,3 Mio. € in Prozent der Gesamteinnahmen noch schwerer.

[2] Quelle: Der Standard am 16.03.2021

[3] Quelle: Budgetdienst des Parlaments

[4] Zahlen von Anfang 2020. Quelle: WKO

[5] Zahlen von Ende 2020. Quelle: Arbeiterkammer