Max Schachinger, Schachinger Logistik

DER LOGISTIKER

»Wir brauchen Energie- und CO2-Steuern wie in der Schweiz« , sagt Maximilian Schachinger, Mehrheitsgesellschafter der Schachinger Logistik Holding und Entrepreneuer for Future. Unter dem Dach der Schachinger Logistik Holding mit 600 Mitarbeiter*innen firmieren unter anderem die Schachinger-Branchenlogistik-Unternehmen und der Paketdienst DPD Austria.

Warum der Logistiker aus Linz-Hörsching unsere (Mit-)Initiative für eine grüne Zukunft unterzeichnet hat, was er als Unternehmer im nachhaltigen Bereich bereits umgesetzt hat und warum sich ein Logistiker für eine CO2-Steuer und Kostenwahrheit beim Transport einsetzt, lest ihr im folgenden Interview.

Warum unterstützt du Entrepreneurs for Future?

Max Schachinger: Ich will natürlich Teil der Lösung und nicht des Problems sein. Ich bin überzeugt, dass das Leben reichhaltig und schön ist und wir uns als Mensch im Einklang mit der Natur und der Gesellschaft immer stärker entfalten. Allerdings haben Gewinnstreben und materielle Maximierung abgetrennt vom Ganzen mittlerweile ein Übermaß an Bedeutung erhalten. Dass wir alle – und einige arbeiten ganz besonders verbissen daran – dazu beitragen, dass die Chancen geringer statt größer werden und wir sogar unsere Lebensgrundlagen gefährden, macht mich wirklich betroffen.

Was wäre dein Lösungsansatz?

Die Politik – und die Wählerschaft dahinter – muss viel mehr Verantwortung übernehmen und zukunftsfähige Rahmenbedingungen schaffen. Wir müssen das Verursacherprinzip umsetzen und auch mit bestehenden Marktmechanismen, aber mit wahren Kosten arbeiten. Und wir brauchen zweckgewidmete Energie- und CO2-Steuern wie zum Beispiel in Schweden seit 1992 und einen Ökobonus für Haushalte wie etwa in der Schweiz und Dänemark.

Wäre die ökosoziale Steuerreform, wie sie Josef Riegler um 1990 fast durchgebracht hat, umgesetzt worden, hätten wir heute wie die Schweden eine führende Rolle in Europa und hätten nicht tausende innovative Unternehmen durch hohe Lohnkosten und Technologieabwanderung nach China verloren.

 

Schachinger Logistik Holding GmbH

Stichwort »Kostenwahrheit«: Was verstehst du darunter?

Mir geht es um das Verursacherprinzip. Das heißt, im Verkehr sollten wie in der Schweiz auch die Lärm-, Stau-, Unfall- und vor allem die Umweltkosten eingepreist sein und nicht von Unbeteiligten bezahlt werden müssen.

Und die Mehrkosten in der Logistikbranche trägt der Endkunde?

Wer auch immer den Transport verursacht, zahlt die echten Kosten. Kein Steuerzahler, Sozialversicherter oder die nächste Generation. Dann werden der Stau, Lärm und die Abgase schnell weniger.

Welche Klimaschutz-Maßnahmen setzt du in deinem Unternehmen – und seit wann?

Schon 2007 haben wir alle 12 österreichischen Standorte auf echten Ökostrom umgestellt. Damals waren wir etwa der drittgrößte Kunde der Ökostrom AG. Seit 2003 schaffen wir immer mehr Maßnahmen, die mehrfach zu Win-Win führen: Die Lkws werden effizienter gekauft und gefahren, die Gebäude saniert, auf riesige Hallendächer kommt Photovoltaik. Unsere neueste Logistikhalle ist die wahrscheinlich nachhaltigste in Europa. Wir haben die meisten Grünflächen und Innenhöfe mit Ökologen gestaltet und unsere Bio-Kantine wird immer gesünder. Insgesamt habe ich für die Firma und mich in 15 Jahren 18 Preise für Innovation und Nachhaltigkeit gewonnen.

Maximilian Schachinger bei der Entgegennahme der Auszeichnung “Nachhaltiger Gestalter Österreichs” mit anderen Preisträger*innen

Hat es die Logistikbranche als einer der größten CO2-Emittenten wegen des Preisdrucks besonders schwer, Klimaschutz-Maßnahmen umsetzen?

Die zwei Fakten stimmen und der Schluss liegt nahe. Da ist in unserer Branche ein Faktor vielleicht noch bestimmender wie in anderen Bereichen: Der Kunde will etwas, und schon reagieren wir darauf. Mit schnell und billig. Viele Spediteure halten noch an diesen bewährten Mustern fest. Wir sind noch sehr reaktiv und nicht proaktiv. Kennt das der eine oder andere aus der Politik oder seinem Leben?.

Was würdest du dir in Sachen Umweltpolitik konkret für dein Unternehmen wünschen?

Dass wir saubere Energie und eine gesunde Gesellschaft und Umwelt als Ziel und als Wettbewerbsvorteil nutzen. Konkret würde ich mir Investitionen von 2 bis 5 Milliarden Euro für Oberleitungen am hochrangigen Straßennetz wünschen. Und Lang-LKW, die im Konvoi und autonom unterwegs sein dürfen. Außerdem keine bremsende Steuer mehr für Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern. Und eine Mautbefreiung für elektrische bzw. CO2-neutrale LKW wie in Deutschland oder der Schweiz.

Das klingt nach Wünsch-dir-was?

Die Technik ist schon längst so weit. Wie viel lebenswerter wären die Städte, wenn sich vor 100 Jahren nicht der fossile Verbrennungsmotor mit seinen Öl-Konzernen, sondern die regional erzeugte Elektrizität durchgesetzt hätte? Wie viel effizienter wäre die Wirtschaft, wieviel gesünder wäre unser Leben, wenn der viel leisere und effizienteren E-Motor auf der Straße so selbstverständlich wäre wie auf der Schiene? Ein einzelner Mensch wie Elon Musk treibt hier mehr voran als die Politik ganzer Kontinente.

Vielen Dank für das Interview!

Das Interview führte Stefan Knoll.

Links:

schachinger.com
entrepreneurs4future.de