Erfolgreich wirtschaften = Wachstum. Diese Gleichung scheint ein Naturgesetz zu sein, dabei hat die Ära nach dem Wachstum, wie wir es kannten, längst begonnen. Wie aber kann eine Wirtschaft jenseits des klassischen Wachstums aussehen? Darüber diskutierte heute Josef Scheinast, Regionalsprecher der Grünen Wirtschaft, in der Wirtschaftskammer Salzburg mit Professor Dr. André Reichel von der International School of Management (ISM) in Stuttgart.

Das sei keine Katastrophe, so Reichel, denn Wachstum sei heute weder die Lösung der Verteilungs- noch der Umweltfrage. Verteilungsfragen würden sich nur noch politisch lösen lassen, wie etwa der Vergleich Schwedens mit den USA deutlich mache. Und auch das »grüne« Wachstum führe in die Sackgasse, da sich Wachstum und Umweltverbrauch höchstens relativ entkoppelt hätten. In absoluten Zahlen hat sich nichts geändert: mehr Wachstum, mehr Konsum, mehr Umweltverbrauch.
Zeit für »Next Growth«
»Wir brauchen eine neue Fortschrittserzählung, die neue, umfassendendere Formen des Wachstums eröffnet.« Es seien vor allem drei Faktoren, die den gesellschaftlichen Wandel gerade stark beeinflussen:
- »Moralisierte Märkte« geben sozialen und ökologischen Fragen mehr Platz.
- Eine neue »Wir-Kultur«, die Menschen aktiv zusammenführt, ist im Entstehen.
- Der Klimawandel wird die Kosten für den Umweltverbrauch steigen lassen.
Unternehmen, die ihre Geschäftskonzepte entsprechend anpassen, seien für die Zukunft gut aufgestellt. »Wertschöpfung zielt dann auf mehr, im Sinne von ‚Werte schöpfen‘: ökonomisch, ökologisch, sozial.«
Unternehmen, setzte Scheinast nach, sind Problemlöser. »Die Politik muss die innovatien Lösungen und Leistungen von Unternehmen durch entsprechende Vorgaben und Standards lenken und zur Entfaltung bringen. Betriebswirtschaftliches Denken allein wird unsere Gesellschaft nicht retten.«