Sich mit der Welt weiterentwickeln

Foto: privat

Bei Worten wie »Nachhaltigkeit« oder »Klimawende« denken die wenigsten an ein Chemielabor. Aber genau dort arbeitet Katarina Rot seit über dreißig Jahren an einer gesünderen Zukunft für Menschen und den Planeten.

Geboren in Slowenien, forschte und arbeitete Katarina ursprünglich zu Fragen der chemischen Synthese und übersetzte Ergebnisse in Rezepturen für Produktionsabteilungen. Im Jahr 2012 erreichte sie schließlich einen Punkt der Veränderung in ihrem Arbeitsfeld: »Ich begann, meinen Fokus auf den sicheren Umgang mit Chemikalien zu verlegen und vor allem auf die Notwendigkeit, als unsicher eingestufte Chemikalien oder chemische Komponenten mit besser verträglichen aber in der Funktion gleichwertigen Alternativen zu ersetzen. Ich beschäftigte mich intensiv damit, wie chemische Zusammensetzungen so geändert werden können, dass sie besser für Mensch und Umwelt sind, ohne an Effektivität zu verlieren.«

Vor dem Hintergrund laufend weiterer Regulierungen und Forschungsentwicklungen erweiterte sich Katarinas Expertise ab 2019 noch um das Thema Recycling. Für Borealis entwickelte sie in mehreren Projekten Prozesse für die Herstellung und auch die Verwertung unterschiedlicher Stoffe. In diesem Rahmen beschäftigte sie sich letztlich mit Konformität von Eingangsstoffen und Prozessen für Lebensmittelverpackungen.

»In vieler Hinsicht spiegelt mein beruflicher Weg die Veränderungen in der Welt und der Gesellschaft wider. Rechtslagen, Ansichten und Wissensstände entwickeln sich immer weiter, also hat sich auch mein berufliches Profil mitentwickelt. Kreislaufwirtschaft und Abfallwirtschaft sind auch enorm wichtige und dynamische wirtschaftliche Bereiche, in denen Chemie ein wichtiger Faktor ist und viele Lösungen bieten kann.«

Als 2024 ein langjähriges Arbeitsverhältnis zu Ende ging, stand Katarina vor einer Entscheidung: nach einer neuen Arbeitgeberin suchen, oder mit ihrer Erfahrung und Expertise ein eigenes Unternehmen aufbauen.

Was hat dich inspiriert, dich selbstständig zu machen?

Katarina Rot: Für mich war die Selbstständigkeit der Weg, um meine Expertise weiterhin sinnvoll einsetzen zu können. Nach über dreißig Jahren erfolgreicher Forschungsarbeit in der Chemie musste ich nämlich feststellen, dass mein tiefes Fachwissen und meine umfangreichen Erfahrungen mich auf dem traditionellen Arbeitsmarkt eher als »zu teuer« markieren und mir Türen verschließen, anstatt sie zu öffnen.

Doch statt mich bremsen zu lassen, hat mich genau das inspiriert, mich selbstständig zu machen. In der Selbstständigkeit kann ich mein unschätzbares Know-how viel flexibler, agiler und sinnstiftender einsetzen. Außerdem erlaubt es mir auch, mich noch einmal weiter zu entwickeln, neue Skills zu lernen und mein Portfolio zu erweitern. Auch wenn es eine große Herausforderung ist, mich inspiriert der Gedanke, als freie Expertin und Brückenbauerin genau jene Unternehmen und Initiativen zu unterstützen, die die Chemiebranche mit fundiertem Fachwissen ökologisch und nachhaltig umgestalten wollen.

Was ist »grün« an deinem Unternehmen?

Katarina Rot: Mein Unternehmen macht chemische Prozesse fit für die Zukunft. Das »Grüne« daran ist mein Anspruch: professionelle Beratung für effiziente Prozesse, nachhaltige Lösungen und sichere Erfüllung von rechtlichen Anforderungen. Konkret bedeutet das für meine Kund:innen: ein kompromisslos sicherer Umgang mit Chemikalien, ein durchdachtes Management von Abfällen und die konsequente Wiederverwertung von Ressourcen. Ich übersetze grüne Werte in sichere, effiziente und gesetzeskonforme Industrieprozesse.

Die Tatsache, dass ich bei der Grünen Wirtschaft auf so viele Gleichgesinnte getroffen habe, bestärkt mich in meinem grünen Ansatz zusätzlich. Teilweise beobachte ich nämlich, dass vor allem große Konzerne bei Themen der Nachhaltigkeit sich inzwischen wieder zurückziehen. Ich finde es daher wunderbar, ein Netzwerk an Unternehmer:innen zu haben, die wie ich fest daran glauben, dass ein nachhaltiges Wirtschaften notwendig und möglich ist. Es braucht auf allen Ebenen der Gesellschaft und in allen Bereichen der Wirtschaft ein Umdenken, aber wir können das schaffen.

Wofür brennst du als Unternehmerin?

Katarina Rot: Ich brenne dafür, Berührungsängste abzubauen und durch Fachwissen Vertrauen zu schaffen. Das bedeutet für mich: absolute Sorgfalt im Umgang mit chemischen Stoffen und eine ehrliche Kommunikation in der Lieferkette, bei der Transparenz an erster Stelle steht.

Ich liebe es, komplexe Probleme sachlich zu analysieren und auf allen Ebenen echte Aufklärungsarbeit zu leisten. Nachhaltigkeit und Sicherheit sind für mich keine reinen Business-Themen, sondern eine Lebenseinstellung, die ich genauso im privaten Alltag teile und weitergebe.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Das Interview führte Michaela Pasterk 

Links:

Website: www.chemieconsulting.at
Linkedin: Katarina Rot