Grundsätze mit Leben füllen

Foto: Lorin Canaj

Julia Weiss zieht es dorthin, wo es menschelt. Seit mittlerweile über 13 Jahren ist die gebürtige Oberösterreicherin bei der Umweltorganisation Greenpeace tätig und arbeitete dabei über die Jahre hinweg nicht nur im Campaigning, sondern auch in verschiedenen Teams und in unterschiedlichen Projekten mit. Als das Thema »corporate integrity« intern immer mehr in den Fokus rückte, fand Julia ihre berufliche Bestimmung in der Wertearbeit – und darüber auch den Weg in die Selbstständigkeit.

Mit dem Wunsch, auch über ihren eigenen Arbeitgeber hinaus wirksam zu sein, gründete Julia schließlich nebenberuflich ihr Unternehmen. »Ich hatte bereits vor meiner Spezialisierung auf corporate integrity eine Ausbildung als Lebens- und Sozialberaterin begonnen. Ich wusste, dass ich in der Arbeit mit Menschen wirksam sein wollte und an Lösungen für Teams und Organisationen arbeiten, die wertebasiert sind und den Umgang miteinander in den Vordergrund stellen. Aktuell mache ich zusätzlich noch eine Ausbildung als zertifizierte Mediatorin.«

Als selbstständige Beraterin arbeitet sie mit Teams und Organisationen daran, Verhaltenskodices und Wertekatalogen Leben einzuhauchen und sie im Alltag lebendig zu halten.

»Zentral ist für mich die Frage, wie wir miteinander arbeiten und umgehen wollen«, erklärt sie. »In vielen Firmen gibt es irgendwo einen Verhaltenskodex, den irgendwann irgendjemand geschrieben hat, vielleicht mit Inspiration aus dem Internet. Das wird zwar von allen Mitarbeitenden unterschrieben, aber es gibt kein aktives Hinterfragen, was die darin festgehaltenen Werte eigentlich bedeuten, ob die Richtlinien noch aktuell sind, oder ob sie wirklich das bringen, was sie versprechen.«

In offenen Austauschrunden erarbeitet Julia mit ihren Kund:innen, wie sich Dynamiken im Team und offizielle und inoffizielle Informationsflüsse in der Organisation auf das Arbeitsklima auswirken und welche Lösungen sich für eingeschlichene Probleme finden lassen. Das Ziel soll stets sein, zentrale Erkenntnisse konstruktiv für die Zukunft nutzbar zu machen. Die Unternehmensgröße ist dabei nicht entscheidend: Auseinandersetzung mit Werten beginnt, so Julia, mit dem:der ersten Mitarbeiter:in. Denn: »Werte binden Mitarbeiter:innen und schaffen Vertrauen in die Organisation.«

Wie war das für dich, dich selbstständig zu machen?

Julia Weiss: Eigentlich einfach. Vor allem, da die Selbstständigkeit ja aus einem Wunsch, meinen Arbeitsbereich zu erweitern entstand. Ich hatte – und habe immer noch – eine Anstellung, die mir Stabilität gegeben hat und mit der Selbstständigkeit kompatibel war. Das heißt, ich konnte mir die Zeit nehmen, die es brauchte, um mein Business nach und nach aufzuziehen. Das nahm stark den Druck heraus, sowohl finanziell als auch mental. Ich hatte auch wirklich großartige Unterstützung aus meinem persönlichen Umfeld aber auch von der Grünen Wirtschaft und in der Supervision.

Natürlich sind neue Herausforderungen immer auch mit Herzflattern verbunden, vor allem in den ersten Monaten. Die ersten Kund:innengespräche, die ersten Pitches und Verhandlungen waren aufregend. Aber das gehört auch dazu.

Schulung zur Vertrauensperson; Foto: privat

Was ist »grün« an deinem Unternehmen?

Julia Weiss: Meine Werte. Mein Menschenbild und mein Bild der Gesellschaft sind grün: ich stehe für Diversität, ein gesundes und verantwortungsvolles Miteinander und eine Öffentlichkeit, in der alle Menschen Platz haben. Ich bin überzeugt, dass uns das als Gesellschaft bereichert und mir ist es wichtig, in meinem Unternehmensalltag und meiner Arbeit Vielfalt zu feiern und zu fördern. Frei nach dem Motto: Ich bin okay, du bist okay.

Persönlich sind mir auch Feminismus und das Stärken und Fördern von Frauen ein großes Anliegen. Da empfinde ich auch das Netzwerk bei der Grünen Wirtschaft und die Angebote an Unternehmerinnen als sehr wertvoll.

Wofür brennst du als Unternehmerin?

Julia Weiss: Ich brenne für Menschen und dafür, ihnen Raum für Begegnung zu schaffen, um Dinge anzusprechen, die sie verbindet oder unterscheidet. Das ist meiner Meinung nach sehr viel wert. Wir sind eben nicht alle gleich, und das ist gut: das Anerkennen von Diversität macht Firmen und Organisationen aus.

Ich brenne auch dafür, Grundsätze mit Leben zu füllen, policies zu diskutieren und zu fragen, warum wir an Regeln und Richtlinien festhalten – und sie dann auch zu leben. Das ist auch wirtschaftlich sinnvoll, denn Prävention ist besser für alle Beteiligten – auch für das Unternehmen.

 

Vielen Dank für das Interview!

 

Das Interview führte Michaela Pasterk 

Links:

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