Im Spiel lernt man die Leute kennen

Foto: knistery

Menschen durch gemeinsames Rätseln näher zusammenbringen. Dieses Ziel hat sich Chrisi Hafner zum Beruf gemacht. Seit 2025 bietet sie mit ihrem Unternehmen knistery e.U. ihren Kund:innen handgemachte Rätselspiele, maßgeschneidert auf individuelle Wünsche und Anforderungen.

»Wie ich darauf gekommen bin? Also einerseits wusste ich schon eine Weile, dass mein beruflicher Weg mich früher oder später in die Selbstständigkeit führen wird. Aber konkret wurde es, nachdem ich bei einem Umzug in ein neues Wohnprojekt für einen Tag der offenen Tür eine kleine Rätselrallye durch den Wohnkomplex zusammengestellt habe. Ich wollte, dass die Nachbar:innen einander und auch die neue Umgebung kennenlernen können. Das kam so gut an und machte mir selbst auch so viel Spaß, dass die Idee geboren wurde, das zu meinem Beruf machen. Meine bisherigen Erfahrungen im Eventbereich, in Gruppenleitung und Spielentwicklung kommen darin auch perfekt zusammen.«

Das Angebot von knistery e.U. umfasst ganz unterschiedliche Arten von Rätselspielen – je nach Gruppe, Location und Ziel. Der Fokus liegt stets auf Community Building, ob nun im Rahmen einer Grätzl-Rallye, eines Firmenevents wie zum Beispiel einer Weihnachtsfeier oder Teambuilding-Aktivitäten und Netzwerkveranstaltungen, wo es darum geht, Leute, die einander noch nicht (gut) kennen, ins Gespräch zu bringen.

»Bei meinen Rätselspielen geht es nicht darum, wer gewinnt oder verliert, sondern um Begegnung und Austausch, die beim gemeinsamen Erarbeiten einer Lösung entstehen« erklärt Chrisi weiter. »Ich bemühe mich bei der Gestaltung der Spiele immer, dass sie auch jene abholen, die vielleicht wenig Spielerfahrung haben, schüchtern sind oder sich schwertun, sich in Gruppen einzubringen.«

Im Rahmen eines Spiels können auch Inhalte zielgruppengerecht aufbereitet und an ein breites Publikum vermittelt werden, etwa im Wissenschafts- oder Kulturbereich. Ebenso in Kooperation mit Expert:innen aus dem Coaching-Bereich bringt Chrisi nicht nur Leichtigkeit in Settings wie etwa Führungskräfteworkshops, sondern mit dem Spiel auch einen Ausgangspunkt für Reflexion.

»Ein Spiel erlaubt es, neue Perspektiven auf komplexe Themen zu entwickeln, besonders, wenn es darum geht, die eigenen Muster, Denk- und Verhaltensweisen zu beleuchten. Ein spielerischer Ansatz kann oft der entscheidende erste Schritt sein, um Menschen auch für schwierig zu greifende Themen empfänglich zu machen.«

Was hat dich inspiriert, dich selbstständig zu machen?

Chrisi Hafner: Sicherlich der Wunsch nach Selbstverwirklichung und Unabhängigkeit. Ich will im Arbeitsalltag »mein Ding« machen. Nachdem ich herausgefunden hatte, was mein Ding ist, war das Inspiration genug für den Start in die Selbstständigkeit. Dazu kommt, dass ich wirkungsorientiert arbeiten möchte – und zwar so, dass ich strategisch das Ziel, also die erwünschte Wirkung, bestimmen kann, und dass ich auch direkt dort arbeite, wo sie spürbar wird.

In der Realität war der Schritt in die Selbstständigkeit natürlich auch oft nervenaufreibend und hat einiges an Mut und viele Menschen, die mir den Rücken stärken, gebraucht. Eineinhalb Jahre nach der Gründung denke ich mir aber immer öfter »es war genau die richtige Entscheidung.«

Was ist »grün« an deinem Unternehmen?

Chrisi Hafner: Hmm, außer der Wände in meinem Büro? 😉

Als Dienstleisterin liegt das »Grün« meines Unternehmens oft stark in der Auswahl von Partner:innen, Lieferant:innen und auch Kund:innen. Wenn ich zum Beispiel Material produzieren lasse, dann lege ich ein Augenmerk darauf, mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, die meine Werte teilen.

Viele meiner verwendeten Materialien sind auch bewusst nicht neu, sondern re-purposed oder recycelt. Ich verwende in meinen Spielen viele vintage-Requisiten, die ich secondhand erworben habe. Einerseits spart es Ressourcen und andererseits hat es den wunderbaren Nebeneffekt, dass die Stücke auch eigenen Flair haben, der zur Atmosphäre des Spielsettings beiträgt.

Foto: knistery

Wie kommt es, dass deine Rätselspiele sich primär an Erwachsene richten?

Chrisi Hafner: Für Kinder ist spielen ja ganz natürlich: im Erkunden der Welt, im Experimentieren. Als Erwachsene verlernen wir das oft ein bisschen, Spielen wird zur »Kindersache.«  Dabei kann eine spielerische Grundhaltung im Leben enorm helfen, mit Herausforderungen und unerwarteten Gegebenheiten umzugehen. Denn im Grunde ist ein Spiel nichts anderes als eine künstlich gestellte Herausforderung nach bestimmten Regeln, die es gilt, gemeinsam mit anderen zu lösen – etwas, das Erwachsene eigentlich dauernd machen. Im Gegensatz zum echten Leben geht es aber in einem Spiel um viel weniger, was ein Ausprobieren, Beobachten und Entdecken möglich macht. Ein zusätzlicher Mehrwert entsteht im Austausch und in der Reflexion.

Ein Spiel bietet auch einen anderen Rahmen, miteinander zu interagieren und andere Menschen kennenzulernen. Das ist zum Beispiel der Fokus meiner NetPlaying Formate, die ich aus meinen eigenen Erfahrungen im Networking geschaffen habe. Einerseits ist Netzwerken gerade für EPU enorm wichtig, andererseits fühlt es sich oft oberflächlich, fad oder einfach viel zu sehr nach »work« an. Wenn man hingegen mit anderen Menschen spielt oder gemeinsam Lösungen für ein Rätsel sucht, merkt man schnell, mit wem man auf einer Wellenlänge ist und ob man gut gemeinsam arbeitet. Das Netzwerken geht nebenbei und hat zudem eine andere Qualität, als nur den eigenen Elevator Pitch und USP anzubringen.

Wofür brennst du als Unternehmerin?

Chrisi Hafner: Für die Verbindung von Spaß und Wirkung: Dingen, die Spaß machen, auch Wirkung zu geben – und alles, das richtig wirksam ist, ein bisschen lustiger zu machen. Weil richtig stark sind die beiden erst zusammen.

Dazu ist mir wichtig, mehr Spaß ins Leben von Menschen zu bringen, und auch Verbundenheit und Gemeinschaft. Das können wir alle brauchen, und das gehört für mich zu einem guten Leben für alle dazu.

Und zum Schluss brenne ich auch dafür, immer neue Dinge zu lernen – natürlich aus Neugier, aber besonders in der Zusammenarbeit mit anderen Menschen. Projekte, die gemeinsam mit anderen Selbstständigen entstehen, eröffnen mir immer ganz neue Perspektiven und bereichern nicht nur die Teilnehmenden, sondern – so fühlt es sich an – besonders auch mich.

 

Vielen Dank für das Interview!

Anmeldungen zum knistery NetPlaying-Event am 15. September sind noch bis 13. September möglich. 🙂 Alle Infos auf www.knistery.at

 

 

Das Interview führte Michaela Pasterk 

Links:

Website: www.knistery.at
LinkedIn: knistery
Linkedin: Chrisi Hafner