Nach den Turbulenzen rund um die Wirtschaftskammer im Herbst 2025 wurden umfassende Reformen angekündigt. Transparenz, Sparsamkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit den Beiträgen der Unternehmer:innen sollten künftig im Mittelpunkt stehen.
Mit den nun vorliegenden Rechnungsabschlüssen für das Jahr 2025 lässt sich nachvollziehen, wie die Wirtschaftskammer ihre Mittel zuletzt tatsächlich eingesetzt hat. Die Zahlen verdeutlichen erneut, dass im Rahmen des WK-Reformprozesses radikale Schritte im Bereich der Einnahmen-, Ausgaben-, aber auch der Rücklagensituation passieren müssen, wenn endlich Schluss sein soll mit dem Verprassen der Pflichtbeiträge der Unternehmer:innen. Die Wirtschaftskammer muss sich zu einer Interessensvertretung entwickeln, deren vorderstes Ziel es ist, ihre Mitglieder zu unterstützen, statt als verlängerter Arm der ÖVP den eigenen Apparat zu erhalten und Vermögen aufzubauen.
Wie jedes Jahr haben wir uns auch heuer die Rechnungsabschlüsse der Wirtschaftskammern und Fachorganisationen genau angesehen und die wichtigsten Entwicklungen für euch zusammengefasst.
Rekordeinnahmen trotz schwacher wirtschaftlicher Situation
Im Jahr 2025 erzielte die Wirtschaftskammerorganisation Einnahmen von insgesamt 1,339 Mrd. Euro. Das entspricht gegenüber 2024 einem Zuwachs von über 40 Mio. Euro, oder 3,2 %. Und das, während die WKÖ versucht medial den Eindruck zu erwecken, wirtschaftlich unter Druck zu stehen und jeden Euro umdrehen zu müssen. Wie sich dieser Betrag auf Kammern und Fachorganisationen verteilt, siehst du in Abbildung 1.
Trotz wirtschaftlich angespannter Situation bei vielen Unternehmen und geringem Wirtschaftswachstum (0,6 %[1]) steigen die Einnahmen der Kammern weiter an. Das ist vor allem deshalb hinterfragenswert, weil ein erheblicher Teil dieser Einnahmen aus den Pflichtbeiträgen der Unternehmer:innen stammt.
Während die Einnahmen über die umsatzbezogene Kammerumlage 1 geringfügig zurückgingen (-0,5 %), stiegen die Einnahmen über Kammerumlage 2 (DZ/Lohnnebenkostenanteil) um rund 1 % und die Grundumlagen um rund 7,4 %. Die Grundumlagen sind von allen Unternehmer:innen zu entrichten, vor allem auch von EPU, die mit einem Anteil von über 60 % die deutliche Mehrheit der Mitglieder ausmachen. Dass gerade im Bereich der Grundumlagen keine Reformen oder Erleichterungen geplant sind, zeigt einmal mehr, welche Interessen die vom ÖVP-Wirtschaftsbund dominierte Kammer am lautesten vertritt: Die von Großbetrieben, der Industrie und den fossilen Konzernen.
In Abbildung 2 findest du Details dazu, wie sich die Einnahmen der Wirtschaftskammern auf die unterschiedlichen Ertragspositionen und Bundesländer unterteilen.
[1] https://www.statistik.at/fileadmin/announcement/2026/03/20260305BIP2025Q4.pdf
Mehr Geld für die eigenen Leute? Funktionsentschädigungen!
Vor allem die Erhöhungen der Funktionsentschädigungen haben im Herbst 2025 zur WKO-Krise geführt. Die Rechnungsabschlüsse zeigen nun, wie stark die Ausgaben für die WK-Funktionär:innen tatsächlich gestiegen sind. Österreichweit wurde mit rund 27,5 Mio. Euro so viel an Funktionsentschädigung ausgegeben, wie noch nie. Von 2024 auf 2025 macht die Erhöhung rund 8,7 % aus – siehe dazu auch Abbildung 3.
Die Erhöhungen wurden nach dem Rücktritt des WKÖ-Präsidenten Harald Mahrer teilweise zurückgenommen bzw. ausgesetzt. Bis zur finalen Prüfung durch den RH wollte die WKO warten, um final zu entscheiden, wie hoch die Funktionsentschädigungen in Zukunft ausfallen sollen. Aktuell gibt es dazu keine Neuigkeiten. Wir werden bei den Rechnungsabschlüssen 2026 besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der Funktionsentschädigungen legen.
Wähler:innengruppenförderung
Die Rechnungsabschlüsse zeigen, welche Mittel im Wahljahr 2025 tatsächlich an die im Wirtschaftsparlament vertretenen Fraktionen ausbezahlt wurden und wie sich diese Beträge gegenüber den Vorjahren entwickelt haben. Die teils deutlichen Erhöhungen zum Vorjahr gehen meist auf die im Wahljahr ausgeschüttete Wahlkampfkostenrückerstattung zurück. In vielen Kammern wurde diese als Zuschlag zur Wähler:innengruppenförderung ausbezahlt. Die Voranschläge für 2026 zeigen aber vor allem im Vergleich mit dem Wert aus 2024, also dem Jahr vor der Wahl, deutliche Erhöhungen von rund 12 %. Wir werden uns auch diesen Bereich im Rechnungsabschluss 2026 besonders genau ansehen.
Abbildung 4 zeigt die Verteilung der Wähler:innengruppenförderung je nach Kammer:
Auch die Rücklagen der Wirtschaftskammern erreichen ein neues Rekordhoch
Auch die Rücklagen erreichen im Jahr 2025 ein neues Rekordhoch: Mit 2,075 Mrd. Euro hatten die vom ÖVP-Wirtschaftsbund dominierten Kammern so viel Vermögen auf der hohen Kante, wie noch nie zuvor (siehe Abbildung 5).
Der Rechnungshof hat sich in seinen unlängst veröffentlichten Berichten die Thematik genauer angesehen und besonders die Vorgänge rund um die zweckgewidmeten Rücklagen kritisiert. Vor allem die uneinheitliche Darstellung in den Rechnungsabschlüssen, aber auch die Höhe und Sinnhaftigkeit von einzelnen Rücklagezwecken wurden angesprochen.
Zum Thema Ausgleichsrücklage – also dem in der Haushaltsordnung festgelegten Polster für Krisen – findet der Rechnungshof klare Worte:
„Der RH hielt dazu fest, dass die haushaltsrechtlichen Bestimmungen keine automatische Reduktion bzw. keinen automatischen Entfall von Umlagen in Krisenzeiten vorsahen. Vor diesem Hintergrund und den bisherigen Erfahrungen bei der Bewältigung gesamtwirtschaftlicher Krisen sah der RH die Empfehlung bzw. Zielvorgabe der Haushaltsordnung, wonach die Ausgleichsrücklage die Gesamtaufwendungen eines Jahres decken können sollte, infrage gestellt.“[1]
In anderen Worten: Da die Wirtschaftskammern in Krisenzeiten die Mitgliedsbeiträge nicht senken, gibt es auch keine relevanten Einkommensausfälle, die Rücklagen in dieser Höhe notwendig machen. Zur Info: Bisher sind einzig im Jahr 2020 die Einnahmen der Kammern geringfügig gesunken. In den darauffolgenden Krisenjahren (Covid, Ukrainekrieg, Inflation) konnten die Kammern laufend Überschüsse erwirtschaften und weitere Rücklagen aufbauen.
Wenn eine Interessensvertretung zum Sparverein mutiert und mit den Beiträgen ihrer Mitglieder Jahr um Jahr ihr Vermögen erhöht, dann kann man nur von Themenverfehlung sprechen. Österreichs Unternehmer:innen brauchen Entlastung und eine starke Interessensvertretung, die sich um die Anliegen aller Unternehmer:innen kümmert.
Wir fordern daher eine transparente, verbindliche und angemessene Rücklagenpolitik für die gesamte Wirtschaftskammerorganisation. Es braucht klare Obergrenzen, nachvollziehbare Begründungen für die Bildung von Reserven und konkrete Pläne für den Abbau überhöhter Rücklagen. Überschüsse dürfen nicht automatisch im Kammerapparat verbleiben, sondern müssen den Mitgliedsbetrieben zugutekommen.
Wir werden uns weiter dafür einsetzen, einen Teil der Rücklagen gezielt abzubauen und die freigewordenen Mittel für eine dauerhafte Senkung der Pflichtbeiträge zu verwenden. Im Mittelpunkt muss dabei eine spürbare Reduktion der Grundumlagen für EPU und kleine Unternehmen stehen. Genau dieses Anliegen werden wir weiterhin in den Reformprozess einbringen – wir lassen nicht locker, bis es eine gerechte Kammer für alle Unternehmer:innen gibt!
[1] https://www.rechnungshof.gv.at/rh/home/home/2026_1_Ruecklagen_WKOe.pdf (p. 53)