Über den Wert von Geld

Bei der Bank, da hat man einen sicheren Job. Diesem Credo folgte Raffaela Hofmann über zwanzig Jahre und fand heraus: ja, das stimmt schon. Auch die Bezahlung ist nicht schlecht.
»Es kam aber der Punkt« sagt sie, »da ging es sich mit den Werten für mich nicht mehr aus. Das Mindset von »höher, schneller, weiter« und dabei die Vermehrung von Geld als einziges Ziel zu haben. Das konnte ich nicht mit mir vereinbaren, denn Geld hat so viel mehr Kraft, als nur das eigene Ego zu bedienen.«
Nach einer Burnout-Diagnose beschloss sie daher, radikal umzuschwenken und im zweiten Bildungsweg Lehramt zu studieren – und das in dem vollen Wissen, dass sie niemals tatsächlich in einem Klassenzimmer stehen würde.
»Ich wollte es durchziehen, es war quasi mein Burnout-Projekt« erklärt sie und lacht. »Und wenn ich dabei eines gelernt habe, dann sind das Leadership-Kompetenzen. Denn Kinder im Volksschulalter nehmen sich definitiv kein Blatt vor den Mund und haben absolut keine Hemmungen, Dinge so lange infrage zu stellen, bis sie mit der Antwort zufrieden sind.«
Die Weichen für ihre unternehmerische Zukunft wurden allerdings auf anderer Ebene gestellt: durch das während ihres Studiums im Lehrplan neu verankerte Fach »Wirtschafts- und Finanzbildung.« Lehrkräfte sollten fortan ihren Schüler:innen Themen wie den Umgang mit Geld und das Geldsystem vermitteln.
Für Raffaela, die auf über zwanzig Jahre Bankerfahrung und Finanzbildung zurückblicken konnte, war eins sofort klar: »Das kann nicht gut funktionieren. Erstens braucht es Jahre, um ein Verständnis für diese Themen zu entwickeln und zweitens bringen Lehrende – so wie die meisten Erwachsenen, wenn wir uns ehrlich sind – selbst Glaubenssätze, Mythen und Ängste rund um Geld mit, die oft unbewusst oder unreflektiert sind. Die Verantwortung, Finanzbildung zu unterrichten, kann man nicht einfach so auf sie abwälzen, ohne ihnen vorher ein geeignetes Werkzeug und Wissen zu geben.«
Daraus entstand Raffaelas Laufbahn als Unternehmerin: seit mittlerweile fünf Jahren bietet sie Fortbildungen für Lehrkräfte rund um Geld, das Finanzsystem und das Vermitteln dieser Konzepte im Unterricht. Ganz klassisch behandelt sie Themen wie Aktien, Risiko oder Volkswirtschaftslehre. Dabei fiel ihr schon bald auf, dass die Wissensvermittlung zwar funktionierte, das Thema auf emotionaler Ebene jedoch oftmals schwierig war.
»Ich habe mich intensiver mit der Materie auseinandergesetzt, um herauszufinden, warum Geld in den Köpfen der Menschen und in der Gesellschaft so negativ konnotiert ist. Zusammen mit Friedhelm Boschert, den ich noch aus Bankenzeiten kannte, vertieften wir uns in das Thema und schrieben schließlich ein Buch dazu.«
»Positives Geld für eine regenerative Welt« (erschienen 2025 bei Haufe) versteht Geld sowohl als Treiber als auch Hindernis für Transformation. Es erklärt einerseits das aktuelle Geldsystem, setzt andererseits aber den Fokus darauf, die Beziehung von Menschen zu Geld aktiv, bewusst und positiv zu gestalten. »Unser Zugang ist ganz klar, Geld nicht zu verteufeln« erklärt Raffaela. »Wir setzen stattdessen den Fokus auf die Frage »Was kannst du tun?« und auf den Handlungsraum, den Geld in welcher Menge auch immer ermöglicht. Jeder Euro ist eine Entscheidung in die Zukunft – ob wir ihn investieren, sparen, ausgeben oder verschenken. Jeder Euro hat eine Wirkung.«
In Workshops schult Raffaela sowohl Lehrkräfte als auch Schüler:innen spielerisch in den Zusammenhängen von Finanzbildung, Nachhaltigkeit, Innovation, Ethik und Demokratie. Von Einstiegsüberlegungen wie etwa »Was mache ich mit einer Million Euro?« ausgehend erarbeitet sie mit Gruppen, wie Geld die Welt besser machen kann. Auch emotional komplexe Themen wie »Was macht Geld mit uns?“ oder »Wie kann man Geld neu denken und einsetzen?“ werden diskutiert. Der Impact und das Feedback, das sie vor allem im Arbeiten mit Jugendlichen erlebt, füllt sie dabei besonders mit Stolz: »Wenn junge Menschen mit der Überzeugung hinausgehen, etwas verändern zu können, und mit der Motivation, Ziele zu erreichen, dann weiß ich, dass ich etwas richtig gemacht habe.«
Auch Unternehmen berät sie rund um das Thema financial resilience in Zeiten von Fachkräftemangel, Sparpaketen und Existenzängsten rund um Inflation und Versorgungssicherheit sowohl bei Unternehmer:innen als auch in der Belegschaft. Gemeinsam mit Unternehmen erarbeitet sie neue Sichtweisen auf Geld und innovative Lösungen, es zielgerecht einzusetzen und sich neu aufzustellen. Raffaelas Überzeugung dabei: »Auch mit regenerativen und sozialen Gedanken kann man wirtschaftlich arbeiten.«

Was hat dich inspiriert, dich selbstständig zu machen?
Raffaela Hofmann: Es war so ein schleichender Prozess, der auch noch nicht ganz abgeschlossen ist – als Neue Selbstständige bin ich aktuell noch keiner Kammer zugehörig, aber dieser Schritt wird zum Beispiel noch bald folgen.
Zu Beginn war es etwas, das so nebenbei lief. Als mich meine bevorstehende Scheidung und die Aussicht auf eine Zukunft als alleinerziehende Selbstständige mit laufendem Kredit schließlich vor die Wahl stellte, war mir aber klar, dass ich mich eigentlich lieber voll der Selbstständigkeit widmen wollte. Denn ich hatte mir in der Zwischenzeit zu viel aufgebaut, um es einfach aufzugeben.
Mein Co-Autor Friedhelm Boschert war bereit, selbst auch alles aufzugeben und gemeinsam als zwei EPU einen Verein zu gründen. Aus diesem Verein wird hoffentlich bald eine GmbH – Wirtschaftskammer, wir kommen! 😉
Was ist »grün« an deinem Unternehmen?
Raffaela Hofmann: Ein Geständnis: im Vergleich zu Friedhelm Boschert, der ja ein Nachhaltigkeits-Urgestein ist, habe ich diese Richtung erst vor relativ kurzer Zeit eingeschlagen. Ich war davor eigentlich immer eher ein Luxusweibchen – und ich glaube, ich schaue auch für viele immer noch nicht »grün« aus. Ich sehe das insofern als Vorteil, dass es mir erlaubt, Brücken raus aus der »grünen« Bubble zu schlagen und mit Unternehmen zu sprechen, die der Vision eher fern sind.

Der Kern meiner Werte und meiner Beratungstätigkeit ist aber überzeugt »grün«: Wirtschaft geht nur nachhaltig. Nachhaltigkeit ist Innovation und Innovation ist Nachhaltigkeit. Alte Pfade zu verlassen und neue Wege einzuschlagen ist eine Innovationskraft. Dabei ärgert mich oft, wie vehement in Österreich an veralteten Systemen und Technologien festgehalten wird, wenn wir alle Chancen und Kompetenzen hätten, europaweite Vorreiterin zu sein!
Wichtig ist für mich sowohl privat als auch beruflich die Geld-Impact Orientierung. Welche Reise(n) hat ein Produkt gemacht, das ich kaufe? Was für eine Wirtschaft wird durch meinen Euro gefördert? Dabei ist es zentral, nicht Vergleiche mit anderen anzustellen, sondern zu fragen: wovon bin ich überzeugt?
Das kann Kreise ziehen und auch die Menschen in meinem Umfeld dazu bewegen, etwas zu verändern.
Wofür brennst du als Unternehmerin?
Raffaela Hofmann: Ich brenne dafür, Optimismus zu fördern.
Es ist nicht »eh schon alles wurscht.« Wir sind an einem Wendepunkt – und wir haben die Möglichkeit, uns neu zu definieren und alte Pfade zu verlassen. Ich brenne für Veränderung! Ja, sie ist oft unangenehm, aber danach ist man immer dankbar.
Ich brenne vor allem auch dafür, dass jedes Kind, jeder Mensch wissen soll, dass er:sie ein wichtiger Teil der Gesellschaft ist, unabhängig vom Kontostand. Wir haben davon heutzutage ein verzerrtes Bild, aber Geld und Wert gehen nicht einher. Wir leben nur mit mächtigen Strukturen, die diese Wahrnehmung und Ungerechtigkeit fördern. Aber wir alle haben die Macht, Dinge zum Besseren zu verändern.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview führte Michaela Pasterk
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Website: hofmann-raffaela.com
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