Heute mache ich mich schick für…

Regina Brüll ist gelernte Fotografin und war viele Jahre lang in der Werbe- und Modefotografie tätig. Anfang der 1990er gehörte das Studio für Werbefotografie in Salzburg, bei dem sie ihre Ausbildung absolvierte, zu den ersten, die Digitalfotografie einsetzten. Neben den Mode-shootings und dem Alltagsgeschäft für große Firmen wie Universal, Quelle, Hervis, Lidl, dm drogerie markt und verschiedene Trachtenproduzenten machte sie sich als Porträt- und künstlerische Aktfotografin selbstständig.
»Ich habe den Visagistinnen bei großen Shootings immer gern über die Schulter geschaut« erinnert sie sich. »Wenn das Budget knapp war, habe ich auch selbst gerne Hand angelegt und Kund:innen geschminkt.« Gut schminken zu können, sagt sie, ist auch in der Fotografie ein Vorteil: »Alles, was man wegschminken kann, muss man nicht retuschieren.«
Die Geburt ihrer Kinder stellte schließlich nicht nur Reginas Privatleben, sondern auch ihre berufliche Laufbahn auf den Kopf. Anstatt nach ihrer zweiten Elternkarenz ins Fotostudio zurückzukehren, orientierte sie sich neu: mit Schminkworkshops und Kosmetikparties, die sie in der Region anbot. Dazu gesellte sich mit der Zeit auch der Kosmetik-Produktverkauf. Zudem bildete sie sich im Bereich Ernährung, Gesundheit und Anti-Aging weiter, um ihrem wachsenden Kund:innenstock professionelle und maßgeschneiderte Beratung bieten zu können.
»Es war nicht so, dass ich von der Fotografie wegwollte« erklärt sie. »Aber die Selbstständigkeit im Kosmetikbereich machte mir gleichzeitig Spaß und erlaubte es mir, mehr Zeit mit meinen Kindern zu verbringen. Rein beruflich habe ich einfach einen wunderbaren Job gegen einen anderen wunderbaren Job getauscht.«
Seit 2008 ist Regina auch ausgebildete Visagistin und schminkt mitunter auf Modeschauen und für Fotograf:innen. Auch Geschäfte buchen sie immer wieder für Kundenevents, bei denen sich Kund:innen neben dem Einkauf auch kosmetisch verwöhnen und beraten lassen können.
Ihre Kinder sind mittlerweile aus dem Haus. Auf die Frage, ob sie sich je überlegt hat, wieder ins Fotostudio zurück zu kehren, muss Regina etwas länger nachdenken.
»Nicht wirklich. Was ich mir in der Kosmetik aufgebaut habe, erfüllt mich mit großem Stolz und macht mir auch nach all den Jahren noch so viel Freude. Ein großer Teil meiner Kund:innen altert sozusagen seit ich 30 bin, mit mir gemeinsam und das hält meine Arbeit sowohl authentisch als auch abwechslungsreich.« Sie lacht. »Anti-aging war zu Beginn jedenfalls weniger ein Thema bei meinen Kund:innen, wie auch bei mir, als es heute ist.«
Ihr aktueller Schwerpunkt sind Kosmetikberatungen und Schminkworkshops. Auch auf social media ist sie aktiv unterwegs. Ihr Markenzeichen ist der Lippenstift und der Vorsatz, sich jeden Tag für etwas schön zu machen – ein Event, einen Sprung in den Supermarkt, oder einfach nur für den Alltag und sich selbst. Ihr Motto: »Viel Spaß beim Schönsein. Es geht nicht um Perfektion – es muss noch nicht mal Schminke sein! Es geht mir darum, was es mit unserem Auftreten macht, wenn wir einen bewusst guten und gesunden Lebensstil pflegen, Achtsam mit uns selbst sind, uns wohl und somit vielleicht auch ein bisschen »schön« fühlen.«
Was hat dich inspiriert, dich selbstständig zu machen?
Regina Brüll: Gute Frage. Es hat sich einfach so ergeben, einerseits aus meiner Lebenssituation heraus: Ich hatte damals zwei kleine Kinder und in unserer Region gab es zu dem Zeitpunkt wenig Betreuungsmöglichkeiten. Die Selbstständigkeit mit der freien Zeiteinteilung war eine der wenigen Möglichkeiten, wie ich beruflich aktiv bleiben konnte.
Andererseits war es auch irgendwie eine natürliche Entwicklung. In meiner Familie ist Selbstständigkeit schon seit Generationen fest verankert, meine Eltern hatten eine Bäckerei und auch mein Mann kommt aus einer Familie, die schon lange gewerbetreibend war. Bevor ich mit 30 das erste Mal in Karenz ging, war ich zwar 15 Jahre lang angestellt, aber mir war schon vorher klar, dass ich nach der Karenz etwas anderes machen würde. Mein Job war weder mit Teilzeit noch mit Familienleben gut vereinbar und der Schritt in die Selbstständigkeit war für mich stark mit einem Freiheitsgefühl verbunden.

Viele Menschen verbinden eine Anstellung vielleicht mit der Sicherheit, 5 Wochen Urlaub, Krankenstand und ein 13. und 14. Gehalt zu bekommen – und ja, das kann schon was. Aber ich kann sagen: meine Chefin gibt mir immer frei. 😉 Und ich arbeite zu Zeiten, die vielleicht ungewöhnlich sind, aber besser in mein Leben passen, als das altbekannte 9-5. Damals als junge Mutter erlaubte mir das, das Beste aus Familie und Beruf heraus zu holen – und auch jetzt finde ich, dass ich als Selbstständige mehr vom Leben habe.
Was der Stabilität meines Unternehmens geholfen hat, war, dass ich mir meinen Kundenstock über längere Zeit nebenbei aufbauen konnte. Viele kleine Kund:innen zu akquirieren kostet zwar mehr Zeit, bietet aber ein sicheres Netz.
Was sind deine größten Herausforderungen?
Regina Brüll: Die Kosmetikbranche entwickelt sich ständig weiter. Trends kommen und gehen und als Unternehmerin muss ich mich laufend anpassen und am Puls der Zeit bleiben. Zum Beispiel erlebt Kollagen gerade eine enorme Beliebtheit, davor waren es Retinol und Vitamin A und in absehbarer Zeit wird es wohl wieder etwas anderes werden. Andere Trends wachsen langsamer, aber etablieren sich besser, wie etwa vegane Kosmetik. In dem Bereich gibt es wachsende Nachfrage und hier machen auch die Forschung und Entwicklung immer weitere, sehr interessante Fortschritte, zum Beispiel die Herstellung von veganen Farbpigmenten uvm.
Generell geht es mir aber nicht nur darum, die Produkte und Inhaltsstoffe ins Sortiment zu bekommen, die gerade in den sozialen Medien viral und gefragt sind. Mir ist es wichtig, mich mit Inhaltsstoffen fundiert auseinander zu setzen, um meine Kund:innen kompetent und individuell dazu beraten zu können.
Ich segle zwar auf vielen Trends mit, aber mit Verantwortung und nicht um jeden Preis.
Was ist »grün« an deinem Unternehmen?
Regina Brüll: Nachhaltigkeit war immer schon meine persönliche und auch meine Firmenphilosophie. Das verdanke ich meinem Biologielehrer in den 1980ern, der uns im Unterricht erklärt hat, warum Mülltrennung wichtig ist. Seit damals sind mir Nachhaltigkeit und ökologische Verantwortung wichtig, sowohl persönlich als auch in meinem Unternehmen.

In der Kosmetikbranche war ich von Anfang an mit einer Fülle von unterschiedlichen Herstellern konfrontiert. Mir war es ein Anliegen, mit Firmen zusammen zu arbeiten, die meine Werte teilen, und das auch entsprechend zu recherchieren. Das Unternehmen, für das ich mich am Ende entschieden habe, ist seit seiner Gründung in den 1970ern überzeugt tierversuchsfrei, praktiziert einen verantwortungsvollen Umgang mit Rohstoffen, bietet nachfüllbare Schminkkassetten, Tiegel und Flacons an und pflegt eine wertschätzende Mitarbeiter:innenkultur. Unsere Kooperation ist auf Augenhöhe, ich kenne die Geschäftsführung und habe mir auch die Produktionsstätten angeschaut.
Ich bin keine Billiganbieterin, meine Standards sind entsprechend hoch – meine Kund:innen legen Wert auf Qualität und erwarten sich dafür auch hochwertige Produkte.
In meinem Job ist man viel unterwegs. Im ländlichen Raum geht das selten mit Öffis, deshalb freue ich mich über meinen vollelektrischen Firmenwagen.
Wofür brennst du als Unternehmerin?
Regina Brüll: Als Jugendliche in der Mitte der 1980er war ich bei der Naturschutzjugend aktiv. Dort lernten wir, wie wichtig es ist, sich um Umwelt, Natur, Tier und Mitmensch zu sorgen.
Das kann und möchte ich auch als EPU tun, wo immer es mir möglich ist. Wenn ich alleine nichts Großes bewegen kann, dann bin ich gerne Teil eines Netzwerkes, das mehr bewegt.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview führte Michaela Pasterk
Links:
Website: www.bruell.at
Facebook: Regina Brüll
Facebook: Kosmetikberatung Regina Brüll
Instagram: reginabruell_beauty
