Ein Beitrag von Regionalsprecherin Andrea Kern.

Zu Beginn dieses Jahres wurde auf Antrag der Grünen Wirtschaft eine Reformgruppe in der Wirtschaftskammer Steiermark eingerichtet. Nun liegt ein umfangreiches Papier mit Handlungsempfehlungen für mehr Effizienz und Transparenz in der Wirtschaftskammer Steiermark vor. Was darin empfohlen wird und welche Veränderungen dies für die Wirtschaftskammer Steiermark bedeuten kann, liest du hier im Beitrag von Andrea Kern.

Regionalsprecherin Andrea Kern © Sophie Menegaldo

Im Herbst 2025 gingen die medialen Wogen hoch. Gehaltserhöhungen über den KV-Abschlüssen des Jahres, Erhöhungen der Funktionsentschädigungen für die Spitzenfunktionär:innen in Zeiten der Wirtschaftskrise und Rücklagen in Milliardenhöhe waren das Thema. Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer trat nicht zuletzt aufgrund der schlechten Kommunikationsleistung zurück. Seine langjährige Vizepräsidentin Martha Schultz übernahm, um das angeschlagene Image der Wirtschaftskammer wieder ins rechte Licht zu rücken.

 

Eine Chance für Veränderung?

In der Steiermark wurde der Dringlichkeitsantrag der Grünen Wirtschaft auf die Einsetzung einer Reformarbeitsgruppe einstimmig angenommen, die dann zu Beginn dieses Jahres die Arbeit aufnahm.

In der Folge wurden von der Reformgruppe die Angebote der Wirtschaftskammer Steiermark, der sogenannten „WKO-Family“, durchleuchtet. „WKO-Family“ bezeichnet in diesem Zusammenhang Einrichtungen aus den Bereichen Interessenvertretung, Service und Bildung, die zum großen Teil nicht zu den Kernaufgaben der Wirtschaftskammer gehören, wie das Internationalisierungscenter Steiermark, FH Campus 02, „Innolab“ oder „Follow me“. Aber auch die Strukturen der Kammer und das Wahlrecht wurde unter die Lupe genommen.

 

Was darf man sich nun erwarten?


Das Positive:

Über 15 Stunden wurde miteinander diskutiert und gerungen, Services und Strukturen hinterfragt. Schnell fiel auf, dass es selten eine so offene Diskussionskultur in der steirischen Kammer gab. Meinungen und Ideen konnten offen geäußert werden, ohne Abwertung oder einem „Das war schon immer so, das haben wir schon immer so gemacht.“ Die Veränderungsbereitschaft war groß. Allerdings fiel genauso schnell auf, dass es schwerfiel, Angebote, in die man selbst involviert ist, zu verändern.

Aus Sicht der Grünen Wirtschaft haben die folgenden Empfehlungen das größte Potenzial, Veränderungen nach sich zu ziehen:

  • Mehrfachstrukturen im Bildungsbereich abbauen: Mittlerweile bietet fast jede größere Fachgruppe und Sparte ein eigenes Bildungsprogramm für Mitglieder an. Nicht immer sind die Qualitätsstandards eindeutig und klar. Alle Bildungsangebote sollen in Zukunft über das WIFI angeboten und abgewickelt werden.
  • Evaluierung der Anzahl der Printausgaben der Steirischen Wirtschaft: Schon seit langem von der Grünen Wirtschaft gefordert, sollte an der Anzahl der gedruckten Ausgaben – zurzeit 26 pro Jahr – geschraubt werden. Das bringt nicht nur eine budgetäre Entlastung durch die Einsparung von Porto und Druckkosten, sondern auch ökologischen Mehrwert.
  • Evaluierung der bestehenden Servicestellen in den Regionen: In der Steiermark kümmern sich 12 Regional- und 7 Servicestellen um die Anliegen der Mitglieder außerhalb von Graz. Ein Gutteil dieser Kontakte ist aber ortsunabhängig. Hier soll sowohl an der Digitalisierung der regionalen Mitgliederbetreuung gearbeitet als auch die bestehenden Servicestellen evaluiert werden.
  • Verbesserte Transparenz- und Informationsstandards für Funktionär:innen und Mitglieder: Mehr und detailliertere Informationen sollten in Zukunft in einem gemeinsamen Intranet abrufbar sein.
  • Vereinfachung der Wirtschaftskammerwahl: Wir wissen, die Abhaltung der Wirtschaftskammerwahlen ist ein äußerst komplexes, zeit- und kostenintensives Projekt: Leider sind wir von einer digitalen Wahl oder einer automatischen Zusendung der Wahlkarte noch Lichtjahre entfernt, aber zumindest fanden einige Verbesserungen Einzug in die Handlungsempfehlungen: So soll es künftig einen Wahlkartenantrag für alle Wahlrechte in ganz Österreich geben und Wahlkarten sollen in den Zweigwahlkommissionen direkt ausgestellt werden können. Die Anzahl der Zweigwahlkommissionen, derzeit 176, soll massiv gesenkt werden. Für die wahlwerbenden Gruppen soll der bürokratische Aufwand geringer werden: Nur in jenen Fachorganisationen, in denen man noch kein ordentliches Mandat innehat, müssen in der darauffolgenden Wahl Unterstützungserklärungen eingeholt werden. Ein kleiner Erfolg für die Grüne Wirtschaft.

Zudem gibt es den Plan, die Kammerumlage 2 bis Ende 2029 von 0,22 % auf 0,18 % zu senken, was zumindest Mindereinnahmen von 8 Millionen Euro pro Jahr ergeben soll. Somit müssen Angebote und Services, die entweder nicht den gewünschten Mehrwert erbringen bzw. nicht zu den Kernaufgaben der Interessensvertretung gehören, reduziert werden. Ob es den steirischen Unternehmen eine merkbare Entlastung bringen wird, sei dahingestellt.


Das Ungewisse:

Das von der Reformgruppe akkordierte Papier beinhaltet Handlungsempfehlungen für mögliche Reformen. Wie wir alle wissen, müssen Empfehlungen nicht unbedingt umgesetzt werden. Als nächste Schritte werden nun die Handlungsempfehlungen von der Geschäftsführung der Wirtschaftskammer in einen Umsetzungsplan und eine priorisierte Maßnahmenliste gegossen. Dies wird bis November 2026 erledigt werden. Und dann: „Schauen wir mal, dann sehen wir schon…“

Die Grüne Wirtschaft wird die Umsetzung des Reformprogramms auf jeden Fall kritisch begleiten und kontrollieren und auch dafür sorgen, dass das Thema Nachhaltigkeit nicht zu kurz kommt.