Der Mut zur Praxis

Foto: Jana Enzelberger

Der Name ist Standort. In der Maxingstraße 2 in Wien Hietzing befindet sich das Bilderrahmengeschäft M2 von Veronika Korbei. Dort fertigen sie und ihr Team Bilderrahmen nach Maß und finden für jedes Kunstwerk das richtige Passepartout, Glas und Rahmenholz.

Veronika Korbei ist, wie sie es selbst nennt, »späte Quereinsteigerin« in das Fach und hatte bis vor wenigen Jahren mit Rahmen nichts am Hut: als promovierte Kunsthistorikerin interessierte sie die Kunst und weniger der Rahmen. 16 Jahre lang war sie als Rubens-Forscherin und Archivarin in Hamburg und London beschäftigt und führte 11 Jahre lang das Ernst Gombrich Archiv. Schließlich kehrte sie 2016 mit ihren zwei Kindern nach Wien zurück und stellte fest:

»Ich will eigentlich nicht darauf warten, dass mich jemand anstellt.«

Da traf es sich gut, dass ihre Vorgängerin kurz vor der Pensionierung stand und nach jemandem suchte, der ihren Betrieb übernahm. Bereits seit 1935 ist das Rahmengeschäft an seinem Standort in der Maxingstraße und – renoviert und gut sichtbar – bereit für den nächsten Abschnitt seiner Geschichte.

Wie es war, in das Fach quer einzusteigen? »Eigentlich kein Problem« erzählt Veronika im Interview. »Es brauchte nur ein bisschen Mut zur Praxis.«

Diese Praxis beinhaltet das Auswählen und Schneiden von Passepartouts und Glas und das Einlegen von Kunstwerken nach konservatorischen Prinzipien. Dabei gehen ihr zwei Mitarbeiter:innen zur Hand. Zudem arbeitet sie im Hintergrund mit drei Betrieben zusammen, von denen sie Rahmen und Glas bezieht. »Ich habe mich hier bewusst für die Zusammenarbeit mit weiteren Betrieben entschieden – es hat mit Lagermöglichkeiten zu tun, die mir fehlen. Außerdem sind manche Produkte heikel, da kommt das Holz bereits zugeschnitten, geleimt und gestanzt. Das erspart meinem Team und mir einen Teil der Arbeit, sichert top Qualität für meine Kund:innen und unterstützt auch diese anderen Unternehmen im Hintergrund.«

Ihre Kundschaft besteht zum größten Teil aus Privatkund:innen, teilweise auch aus Künstler:innen, für die Veronika gerne besondere Konditionen und Spezialpreise anbietet. Und auch wenn man keine wertvollen Gemälde besitzt oder eigene Kunstwerke schafft, die gerahmt werden müssen, ist ein Besuch im M2 es wert: um unnötigen Abfall zu vermeiden, verkauft Veronika regelmäßig hochwertige Altrahmen mit neuen Gläsern und Rückwänden in unterschiedlichen Größen zu günstigen Preisen.

Was hat dich inspiriert, dich selbstständig zu machen?

Veronika Korbei: Die Entscheidung kam aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Einerseits der Gelegenheit, was immer auch ein bisschen mit Glück zu tun hat. Dass meine Vorgängerin genau zu der Zeit in Pension ging, als ich auf der Suche nach einer Herausforderung war, war eigentlich Zufall.

Aber da war auch Motivation in dem Wissen, dass ich das können werde. Es gab natürlich viel zu lernen, aber ich wusste, ich kann das schaffen. Der Wunsch, ein wirklich tolles Geschäft mit Potenzial in eine neue Ära zu führen, war ein sehr starker Antrieb. Und der Glaube, dass es klappen kann.

Und es hat geklappt! 🙂 Nicht immer leicht, aber in vieler Hinsicht – zum Beispiel dem Übernahmeprozess, Budgetierung und Businessplan – gab es hilfreiche Services und Fahrpläne, an die ich mich halten konnte. Eigenkapital brauchte es schon; ich glaube, auf Pump lässt sich langfristig nicht gut wirtschaften. Und die stärkste Learning Curve war sicherlich auch Corona. Nach der Pandemie schnellten die Preise meiner Zulieferbetriebe rasant in die Höhe, vor allem für nachhaltige Produkte wie Glas, Holz und Papier. Das war schon ein enormer Geschäftsdämpfer.

Foto: Jana Enzelberger

Was ist »grün« an deinem Unternehmen?

Veronika Korbei: Bilderrahmen sind hochpreisige, aber auch sehr hochwertige und nachhaltige Produkte. Ein guter Rahmen hält Jahrzehnte, länger als die meisten anderen Produkte. Er muss auch kaum gepflegt werden, höchstens abgestaubt, und im Normalfall gibt es wenig Verschleiß. Ein guter Rahmen zahlt sich also wirklich langfristig aus.

Auch bei den Betrieben, mit denen ich zusammenarbeite, lege ich Wert auf verantwortungsvolles Wirtschaften, zumindest innerhalb meiner Möglichkeiten. Eine Schwierigkeit, die sich dabei ergibt: In Österreich gibt es kaum noch Glashütten, die Bilderrahmenglas herstellen. Der Fokus bei österreichischem Glas liegt auf Fensterglas, das für Rahmen viel zu dick ist, also muss ich importieren.

Ähnlich ist es beim Holz. Ich vermeide sogenannte »geächtete« Hölzer, wie etwa Ramin aus Indonesien, das oft als günstige Alternative zu europäischen Hartholz gehandelt wird, aber alles andere als nachhaltig wäre. Im Idealfall beziehe ich Holzleisten, die in Europa hergestellt und in Österreich verarbeitet wurden. Da der Schwerpunkt unserer Holzindustrie aber Bauholz ist, geht das Wissen, Rahmenholz zu verarbeiten, in Österreich verloren.

Der nachhaltige Wert eines Rahmens besteht nicht nur in dem Material, das verwendet wird. Bei Kunst geht es zuerst um Emotion, und in weiterer Folge um den Wert der Bilder, die durch den Rahmen präsentiert und erhalten werden. Und das Handwerk und das Fachwissen, das in der Herstellung eines Rahmens weiterlebt.

Wofür brennst du als Unternehmerin?

Veronika Korbei: Ich liebe die Kunstwerke, die ich täglich anschaue und in den Händen halte. Mal ist es ein Zeitungsausschnitt, mal ein Foto von einer Bergbesteigung aus dem Jahr 1927, oder auch zeitgenössische Kunst. Jeder Tag ist anders, jedes Kunstwerk für sich einzigartig.

Ich liebe auch die Materialität meiner Arbeit, die Verarbeitung der einzelnen Elemente, wie filigran manches davon ist. Jeden Tag mit Kunst zu arbeiten und den Wert zu spüren, den sie haben, dafür brenne ich.

Vielen Dank für das Interview!

 

Das Interview führte Michaela Pasterk 

Links:

Website: m2korbei.at
Instagram: veronika_korbei
LinkedIn: Veronika Korbei