Visionäres Storytelling
Christoph Skofic ist Filmemacher und Gründer von tannen:bach Filmproduktionen.

Zum Film wollte er schon mit 15 Jahren. Damals war der gebürtige Salzburger Schüler der Ortweinschule in Graz mit Schwerpunkt Film- und Fotografie. Seit diesem Zeitpunkt war er »immer irgendwie in der Branche drin.« Als Beleuchter oder Kameramann bei Musikvideos und anderen Filmsets lernte er das Handwerk von der Pike auf.
Nach der Matura zog es ihn nach München, wo er bei der Firma Weisscam an der Weiterentwicklung von Kameratechnologie mitarbeitete, speziell Zeitlupenkameras, Sensortechnologie und Kameraelektronik. Nebenbei war er als High Speed Operator bei großen Filmproduktionen im Einsatz, wie etwa »Die 3 Musketiere« (2011) mit Christoph Waltz und Milla Jovovich.
»Das war eine spannende Produktion« erzählt er. »Für den Film mussten wir zuerst die Kamera technisch so weiterentwickeln, dass der Film in 3D umgesetzt werden konnte.«
Auch an TV-Dokumentationen wie Universum oder Galileo hat Christoph mitgearbeitet. Am häufigsten zum Einsatz kommen spezielle Kameratechnologien wie etwa Zeitlupe jedoch in Werbe- und Imagefilmen vor. Darauf spezialisiert sich auch Christophs Unternehmen, das er 2013 gründete.
Nachdem er von München nach Bregenz umgezogen war und an der Fachhochschule Vorarlberg einen Abschluss im Studiengang Intermedia absolviert hatte, startete er als EPU durch und bekam schon bald Aufträge der Stadt Bregenz. Seine Agentur bietet ein Rundum-Service für Kommunikation, speziell Bewegtbildkommunikation – vom Konzept bis zum fertigen Film. Dabei setzt er auf Kooperationen innerhalb eines Netzwerks an Partner:innen mit Teams von 5 bis 20 Leuten.
»Mich reizt es, über den klassischen Imagefilm hinaus weiterzudenken. Für mich steht das Storytelling im Vordergrund, ich will kreative Wege einschlagen.« Das ist auch Teil seiner Beratung mit Kund:innen: »Es geht darum, die Kommunikation so zu gestalten, dass ein eigenständiges Produkt entsteht, das sich von der Masse abhebt.«
Auf die Frage hin, wie das läuft, schmunzelt er. »Es ist herausfordernd, spannend und sehr erfüllend.«
Seit Jänner 2026 ist Christoph außerdem Obmann in Fachvertretung Film- und Musikwirtschaft in Vorarlberg.
»Ich freue mich auf die Arbeit. Mein erstes Ziel ist es, mit möglichst vielen Mitgliedern der Branche zu sprechen und zu erfahren, wie es ihnen beruflich geht, wo ihre Herausforderungen liegen und welche Veränderungen sie sich wünschen. Mein zweites Ziel ist, Strategien zu entwickeln, um die Situation zum positiven zu verändern.«
Was hat dich inspiriert, dich selbstständig zu machen?
Christoph Skofic: Ganz banal gesagt: der Markt.
Ich kam von München, wo es eine große Werbefilmindustrie gibt, nach Vorarlberg, wo die Strukturen für das klassische Freelancer-Modell großer Produktionshäuser so kaum vorhanden sind. Die Branche ist hier deutlich kleinteiliger organisiert und vor allem von EPUs und KMUs geprägt. Das war auch der Grund, warum ich mich hier selbstständig gemacht habe.
Wie war diese Umstellung für dich?
Christoph Skofic: Sagen wir mal: ungewöhnlich. Ich kannte das so gar nicht. In München war in erster Linie Spezialisierung gefragt, hier in Vorarlberg galt es, den gesamten Produktionsprozess abzubilden – von der Konzeption über die Organisation bis hin zu Distributionsstrategien. Das war eine große Umstellung.
Ich fand es aber auch sehr erfüllend, wieder eigene Projekte machen zu können. Besonders schätze ich die persönliche Zusammenarbeit hier in Vorarlberg. Der direkte Austausch mit Firmen, Kund:innen und Kooperationspartner:innen ist enger und unmittelbarer, und ich erlebe eine große Wertschätzung.
Generative KI ist gerade in aller Munde – merkst du das auch in deiner Arbeit?
Christoph Skofic: Mit generativer KI verändert sich derzeit nicht nur die Art und Weise, wie wir Medieninhalte herstellen, sondern auch, wie wir sie wahrnehmen und bewerten. Eine Erzählung, die ich aktuell oft höre, lautet: »KI ist günstig.« Diese Erzählung sehe ich aus mehreren Gründen problematisch: Zum einen verlagern sich die Kosten oft in andere Bereiche, zum anderen wird die gestalterische Leitung, also Konzept, Erfahrung und Urteilsvermögen der Gestalter:innen, tendenziell geringer gewichtet. Gleichzeitig birgt diese Verschiebung eine interessante Möglichkeit: Generative KI könnte den Fokus weg von geleisteten Arbeitsstunden hin zur kreativen Leistung verschieben.
Dennoch beobachte ich eine Minderung des wahrgenommenen Werts von Filmen, was sich sowohl auf die Preisgestaltung als auch auf die wirtschaftliche Tragfähigkeit auswirkt. Verstärkt wird diese Entwicklung durch immer erschwinglicher werdendes Equipment. All das vermittelt den Eindruck, Filmemachen sei einfach und im Grunde günstig zu bewerkstelligen.
Gerade in diesem Kontext könnte die Kennzeichnung, dass Werke ohne KI-Unterstützung entstanden sind, auf eine Gegenströmung hindeuten. Paradoxerweise gewinnt das Handwerk durch die KI an neuer Bedeutung. Film ist dabei ein besonders aufschlussreiches Medium, denn seine Herstellung bildet, durch die Beteiligung vieler Menschen, ein komplexes Geflecht aus Erfahrungen, Bedürfnissen, Perspektiven und Emotionen ab. Dabei entsteht eine Dynamik, die kreative Lösungen hervorbringt, die KI in dieser Form nicht erzeugen kann.
Die Branche befindet sich jedenfalls im Wandel. Das bringt einerseits wirtschaftliche Herausforderungen mit sich, eröffnet andererseits aber auch neue Chancen. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit werden dabei unerlässlich sein.
Was ist »grün« an deinem Unternehmen?
Christoph Skofic: Das ist nicht ganz einfach zu beantworten. Einerseits ist mir eine nachhaltige Energieversorgung wichtig: Mein Büro und die technische Infrastruktur werden überwiegend mit Energie aus Photovoltaik und Erdwärme versorgt. Bei Produktionen achte ich insbesondere bei der Verpflegung auf einen hohen Anteil an regionalen Bio-Produkten. Andererseits ist es mir nicht immer möglich, vollständig nachhaltig zu produzieren. Insbesondere die Nutzung generativer KI-Tools ist in vielerlei Hinsicht ökologisch, sozial und ethisch problematisch, ein Widerspruch, den ich durchaus ambivalent erlebe.
Den grünen Aspekt meines Unternehmens sehe ich vor allem in meiner Haltung und meinen Werten und darin, wie ich sie im Umgang mit Menschen lebe. Die Art der Zusammenarbeit spielt für mich dabei eine zentrale Rolle. An Filmsets und in der Zusammenarbeit versuche ich eine respektvolle, wertschätzende Atmosphäre zu schaffen, geprägt von gegenseitigem Vertrauen. Ein Umfeld, in dem Ideen aufeinander aufbauen können und dadurch echte innere Motivation entsteht. Auch strukturelle Fragen wie Gendergleichheit sind mir bewusst und wichtig, und ich versuche, sie aktiv in meine Arbeit zu integrieren. Grundsätzlich sehe ich aber noch viele notwendige Schritte auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Unternehmen.
Wofür brennst du als Unternehmer?
Christoph Skofic: Wenn aus der Problemstellung meiner Kund:innen eine Geschichte entsteht, die mich selbst begeistert. Es gibt nichts Schöneres, als einen Auftrag fertigzustellen, der nicht nur ein Problem löst, sondern dessen Ergebnis mich selbst berührt. Denn im Idealfall löst es dann auch in anderen Menschen etwas aus. Dieser Gedanke, bei jemandem etwas zu bewirken, das in Erinnerung bleibt, ist ein wesentlicher Kern meiner Motivation. Wir Menschen sind schließlich soziale Wesen. Wir verhandeln ständig unsere Beziehungen zueinander und zur Welt, in der wir uns bewegen. Ein von Menschen gemachter Film, trägt genau das in sich – und das ist es, was uns berührt.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview führte Michaela Pasterk
Links/Kontakt:
Website: www.tannenbach.com
Website: www.christophskofic.com
Instagram: christophskofic
Vimeo: christophskofic
LinkedIn: Christoph Skofic
