Fairness ist immer in Mode

Mode, die dich und die Welt verbessert. Genau darum soll es in der Modebranche gehen. Für Julia Brandstetter ist Kleidung so viel mehr, als sich nur anzuziehen: »Unsere Kleidung macht was mit uns, wie wir uns fühlen, wie wir auftreten und was wir damit aussagen wollen.«
Für sie ist daher klar: Es geht nicht darum, möglichst viele und immer neue Kleidungstücke zu haben, sondern gut sitzende Lieblingsteile, die lange getragen werden und in denen wir uns wohlfühlen.
Aus dieser Überzeugung heraus übernahm sie Anfang 2023 das nachhaltige Modegeschäft ECO – Ethically Correct Outfits in Linz. Ursprünglich gegründet wurde das Geschäft 2012 von Florian Neumüller, dann 2015 von Edeltraud Klose übernommen. Julia arbeitete mehrere Jahre neben dem Studium bei ECO, bevor sie selbst zur Unternehmerin wurde und das Geschäft nun mit viel Herz weiterführt.
Bei ECO bekommen Kund:innen verschiedene, sorgfältig ausgesuchte öko-fairen Modemarken, sowohl für Frauen als auch für Männer. Der Stil? Moderne Streetwear, wie man sie auch in anderen Modehäusern und auf Social Media antrifft. Beim Wort »Öko-Look« muss Julia lachen:
»Ja, ich erlebe immer noch die Überraschung von Kundschaft, wenn sie in mein Geschäft kommen und feststellen, dass es bei mir ja »normale« Kleidung gibt. Ich muss auch immer ein bisschen schmunzeln, welches Bild von nachhaltiger Mode in den Köpfen von Leuten spukt. Mit der Realität hat das inzwischen gar nichts mehr zu tun. Das »öko« an meinem Sortiment zeigt sich in den qualitativ hochwertigen Materialien und den Schnitten, die jenen von Fast Fashion überlegen sind.«
Was hat dich inspiriert, ein Unternehmen zu übernehmen und zu führen?
Julia Brandstetter: Ich wusste schon als Kind, dass ich selbständig sein will. Auch wenn in meiner Familie eigentlich niemand selbstständig war, schien mir das das logische Ziel für mein eigenes Berufsleben. Es hat sich also gut ergeben, dass ich das ECO übernehmen konnte. 🙂
Die Alternative wäre auch gewesen, dass das Geschäft geschlossen worden wäre – und das hätte ich sehr schade gefunden. Ich war über so viele Jahre mit dabei und wollte das nicht das Ende sein lassen. Viel zu viele kleine Geschäfte sperren zu und in diesem Fall konnte ich was dagegen tun.
Ich hatte auch den Vorteil, dass ich bereits 6 Jahre dort gearbeitet hatte und das Geschäft gut kannte. Ich musste also nicht von Null anfangen, sondern konnte auf Bestehendes aufbauen. Ich hatte sozusagen einen »soft start« ins Unternehmertum, auch wenn es schon was anderes ist, selbstständig zu sein als angestellt. Es bedeutet neue Anstrengungen, aber auch neuen Möglichkeiten für Persönlichkeitsentwicklung.
Zudem sind Mode und Schneiderei schon immer meine Herzensthemen – meine Mutter hat in der Schule Nähen und Schnittzeichnen gelernt und für mich waren das Skills, die ich mir unbedingt auch aneignen wollte. Meine Ausbildung in der HBLA hatte einen Kunstschwerpunkt und danach habe ich Textilkunst und Design studiert. Dieses Wissen war immer schon etwas, das ich auch in meiner Arbeit im ECO gut anwenden konnte, ob nun bei der Beratung und im Gespräch mit Kund:innen, oder auch beim Aussuchen und Evaluieren von Lieferant:innen. Ich weiß, was gute Verarbeitung ist und was ein solides Kleidungsstück ausmacht.

Was ist »grün« an deinem Unternehmen?
Julia Brandstetter: Ich führe nur zertifizierte Marken, die mit nachhaltigen oder recycelten Materialien arbeiten. Dabei setze ich auf etablierte Standards wie zum Beispiel die GOTS-Zertifizierung, FairWear, Fairtrade, das EU Ecolabel und das bei Marken, die ich selbst recherchiert habe.
Es gibt inzwischen eine Fülle an angeblichen Zertifizierungen und Labels am Markt, die Nachhaltigkeit und Verantwortung vortäuschen, aber eher als oberflächlich oder einfach als Greenwashing einzuordnen sind. Wenn Kund:innen mich dazu fragen, muss ich mit reinem Gewissen sagen können: Ja, diesen Zertifizierungen vertraue ich, die Standards sind ausreichend hoch und werden vor allem auch kontrolliert.
Meine Kund:innen werden ehrlich und herzlich von mir beraten, weil ich möchte, dass die Menschen wissen, was sie tragen und sich darin wirklich wohlfühlen.
Merkst du einen Trend hin zu nachhaltiger Mode anstatt Fast Fashion?
Julia Brandstetter: Leider ist es nicht ganz so einfach mit dem Trend.
Vor allem nach dramatischen internationalen Ereignissen, wenn das Bewusstsein für die katastrophalen Zustände in der Fast-Fashion Industrie gerade sehr hoch ist, kommen vermehrt neue Leute in mein Geschäft und schauen sich um. Vielleicht aus dem Bedürfnis, etwas zu verändern oder auch das eigene Gewissen zu beruhigen. Aber wenn sie mit dem Preis von Marken konfrontiert sind, die wirklich nur in der EU zu fairen Bedingungen produzieren, merke ich, dass sie nicht wirklich durchgedacht haben, was »fair« in Realität bedeutet. Die vermeintlich hohen Preise sind nicht fetten Gewinnmargen geschuldet. Wenn ich niemanden ausbeuten will und Arbeit bei jedem Produktionsschritt fair entlohne, dann resultiert das einfach in einem teureren Kleidungsstück.
Da braucht es glaube ich viel Bewusstseinsbildung bei Kund:innen. Und auch ein Umdenken, das einem in unserer Konsumgesellschaft nicht immer leicht gemacht wird. Es geht nicht um Quantität sondern um Qualität: sich ein hochwertiges, langlebiges Kleidungsstück zu gönnen, das einen über viele Jahre begleitet.

Wofür brennst du als Unternehmerin?
Julia Brandstetter: Ich bin der Meinung, dass jeder Mensch es verdient hat, fair bezahlt zu werden. Auch in der Produktion von Textilien muss es ein Geben und Nehmen sein: Das heißt, es braucht mehr Bewusstsein in unserer europäischen Gesellschaft, wie Dinge produziert werden, welche Auswirkungen das auf die Umwelt hat – und als Resultat daraus muss die Frage kommen: was davon und wieviel brauchen wir wirklich?
Die Schwierigkeit der Thematik ergibt sich aus der Distanz, die Menschen mittlerweile zu Waren haben. Wenige reflektieren, dass hinter einem Produkt Menschen und Arbeit stecken, die einen Wert haben. Faire Produktion ist genauso wichtig für die Nachhaltigkeit eines Produkts wie der Verzicht auf schädliche Chemie, Tierversuche oder Plastikverpackungen. Es ist nicht okay, die Arbeit und Existenz eines anderen Menschen zu entwerten, nur weil man es sich hier in Österreich halt eben leisten kann.
Ich brenne dafür, Respekt und Wertschätzung für die Menschen, die unsere Dinge herstellen, in den Köpfen meiner Kund:innen präsent zu machen.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview führte Michaela Pasterk
Links:
Website: www.eco-store.at
Facebook: Ethically Correct Outfits
Instagram: ecolinz
