Herzblut macht den Unterschied

Wenn Christina Pali etwas macht, dann macht sie es g‘scheit.
27 Jahre jung, meldete sie bereits 2022 ihr Gewerbe im Kunsthandwerk an – neben ihrem Studium und ihrer Arbeit als Deutsch-, Geschichte- und Werklehrerin.
»Ich war immer schon ein kreativer Mensch, habe schon als Kind viel und gern ‚gebastelt‘, wie es bei Kindern oft heißt« erinnert sie sich. »Ich habe gestrickt, gehäkelt, mit Glasperlen gearbeitet, Mosaike gelegt… Auf Makramee als Technik bin ich in der Covid19-Pandemie über ein YouTube Video gekommen. Das fand ich so spannend, dass ich mir direkt ein paar Bücher dazu besorgt und es selbst ausprobiert habe.«
Ihr erstes Stück – eine Handtasche – geriet ein wenig zu klein, das Folgestück wurde schon viel besser. Nach weiteren Experimenten mit größeren Makramee-Stücken fand Christina zum Mikromakramee und der Schmuckherstellung. Die daraus entstandenen Armbänder kamen mehr als gut an:
»Schon bald wurde ich gefragt, ob man meine Armbänder auch kaufen kann« erzählt sie. »Und ich dachte mir: ja, warum eigentlich nicht? Und so habe ich mein Gewerbe angemeldet.«
Inspiration erhält Christina aus der Makramee-Community im Internet, vor allem auf Instagram. Einige ihrer Kontakte entwickelten sich auch in echte Freundschaften und ein anhaltendes internationales Netzwerk.
Ihre Schmuckstücke verkauft sie auf Kunsthandwerksmärkten und im Fachl in Innsbruck. Von der Beliebtheit von Makramee in den Jahren seit der Pandemie konnte sie gut profitieren, meint sie, aber für sie ist die Technik mehr als ein bloßer Trend.
»Als Knüpftechnik geht Makramee bis ins Altertum zurück und hat eine lange Tradition. Für mich ist es auch ein Ausdruck meiner Persönlichkeit. Ich mache Schmuck als authentischen Ausdruck meiner Kreativität, und will nicht einfach nur Trends folgen, die sich gerade gut verkaufen.«

Was hat dich inspiriert, dich selbstständig zu machen?
Christina Pali: Wenn ich etwas mache, mache ich es g’scheit. 😉 Wenn Makramee mehr als nur ein Hobby sein sollte, dann wollte ich es richtig aufziehen – und die Nachfrage war ja da. Was genau sich daraus entwickeln würde, wusste ich ja zu dem Zeitpunkt noch nicht, aber ich war bereit, es auf mich zukommen zu lassen.
Ich komme auch aus einer Familie, in der Selbstständigkeit nichts Ungewöhnliches ist – meine Mutter arbeitet in einem Steuerbüro und mein Vater ist Spengler und Glasermeister. Ich bin zwar die erste Akademikerin in unserer Familie, aber ein Gewerbe anzumelden fühlte sich im Vergleich dazu für niemanden wie eine besonders große Hürde an.
Die Selbstständigkeit mit Studium und Unterrichten unter einen Hut zu bringen ist natürlich eine Herausforderung, vor allem solange ich noch an meiner Masterarbeit schreibe – übrigens mit dem Schwerpunkt Umweltgeschichte. Aber ich liebe sowohl das Kunsthandwerk als auch die Schule und will keines davon aufgeben.
Wissen deine Schüler:innen, dass du auch Schmuck machst?
Christina Pali: Ja, es gab letztes Jahr sogar einen Artikel in der Schülerzeitung zu mir und meinem Unternehmen, haha. Sie finden das cool.
Ich bringe ihnen Makramee auch im Werkunterricht mit einem Windlicht-Projekt bei. Außerdem können alle ihre eigenen Schmuckstücke herstellen – sowohl die Mädchen als auch die Buben. Für mich ist wichtig, dass alle ihre Kreativität ausleben können, die es wollen.
Was ist »grün« an deinem Unternehmen?
Christina Pali: Ich lege höchsten Wert auf qualitativ hochwertige Materialien. Außerdem muss ich wissen, wo meine Materialien herkommen. Dafür wende ich auch enorm viel Zeit für Recherche auf.

Für meinen Makrameeschmuck brauche ich zum Beispiel Mikromakramee-Garn aus gewachstem Polyester. Dafür einen Anbieter in Europa zu finden, ist nicht leicht. Durch meine Freund:innen in Griechenland bin ich auf einen französischen Händler gekommen, der qualitativ hochwertiges, langlebiges und Öko-Tex-zertifiziertes Garn anbietet, das in Europa hergestellt wurde.
Bei anderen Komponenten wie etwa Metall setze ich auf recyceltes Material.
All das könnte man natürlich billiger und bequemer über Webseiten wie Temu oder Aliexpress bestellen – und wenn ich mich auf Märkten speziell im Kunsthandwerk oder Schmuck umschaue frage ich mich oft, wo Dinge herkommen. Nicht alle Menschen hinterfragen, was hinter den Materialien steckt, aber für mich ist es extrem wichtig, Verantwortung dafür zu übernehmen.
Wofür brennst du als Unternehmerin?
Christina Pali: Ich liebe es, auf Märkten auszustellen. Die Begegnungen und Kontakte mit Menschen sind für mich unglaublich wertvoll. Die strahlenden Augen von Kund:innen, wenn sie sich in ein Stück verlieben sind eine besondere Erfahrung. Wenn eine Frau heimlich ein Geschenk für ihre beste Freundin besorgt, während diese gerade nicht hinschaut, dann werde ich selbst für einen Augenblick ein Teil dieser Geschenkbeziehung und das fühlt sich magisch an. Vor allem, wenn wir der nichtsahnenden Freundin dann subtil ausreden müssen, sich genau das gleiche Schmuckstück direkt selbst zu kaufen. 🙂
Diese Momente bestärken mich auch darin, immer authentisch zu bleiben und mir selbst treu zu bleiben. Schlussendlich ist genau diese Authentizität der Grund, warum Menschen Schmuck bei mir kaufen wollen und nicht woanders. Mein Herzblut macht den Unterschied.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview führte Michaela Pasterk
Links:
Instagram: christinas_knotenkunst
