Wie Funktionsentschädigungen und Wähler:innengruppenförderung in den Budgets für 2026 steigen

Im Herbst 2025 entlud sich der jahrelang aufgestaute Zorn der Unternehmer:innen über die Wirtschaftskammer. Der Vorwurf lautete: Die WKÖ messe mit zweierlei Maß, wenn es um die Lohnzurückhaltung bei den Beschäftigten gehe. Die WKÖ-Spitzenfunktionär:innen genehmigen sich unfassbare Sprünge bei den Funktionsentschädigungen.

Der Eindruck eines Selbstbedienungsladens für Funktionär:innen wurde dadurch wieder einmal verstärkt. Statt sich ernsthaft um die Anliegen der Mitgliedsbetriebe zu kümmern, geht es in der WKO nur um den eigenen Vorteil.

Nach dem Rücktritt von Harald Mahrer als WKÖ-Präsident wurden Reformen zugesichert. Bisher ist allerdings abseits von der Beauftragung einer Unternehmensberatung nicht viel zu sehen. Es ist daher noch offen, wie weit sich der ÖVP-Wirtschaftsbund tatsächlich bewegen wird.

Die Budgets für das Jahr 2026 wurden noch vor dem Wirbel erstellt. Zu einem Zeitpunkt also, als die vom ÖVP-Wirtschaftsbund dominierte Wirtschaftskammer unter Ex-Präsident Harald Mahrer noch dachte, dass sich die Öffentlichkeit nicht für die Exzesse in den Kammern interessieren werde.   

Wir haben uns die Voranschläge für euch angesehen und machen hier die für 2026 budgetierten Funktionsentschädigungen und die Wähler:innengruppenförderung transparent.

Funktionsentschädigungen

Gleich vorweg: Wie hoch die Funktionsentschädigungen im Jahr 2026 tatsächlich ausfallen werden, wird erst der Rechnungsabschluss zeigen, da, ausgehend von Neo-Präsidentin Martha Schultz, die Auszahlung der Erhöhung der Funktionsentschädigungen bis zur Überprüfung durch den Rechnungshof in vielen Organisationseinheiten ausgesetzt wurde.

Zur Erinnerung: Im Erweiterten Präsidium im Juni 2025 wurde eine neue Funktionsentschädigungssystematik beschlossen, die neue Höchstgrenzen entlang der gesetzlichen Vorgaben des Bezügebegrenzungsgesetzes beinhaltet. Dabei wurde mit den zahlreichen Ausnahmen und versteckten Zusatzzahlungen aufgeräumt, die die alte Systematik ermöglichte. Zu betonen ist, dass es sich dabei um Höchstgrenzen handelt – die Entscheidung über die tatsächliche Höhe der jeweiligen Funktionsentschädigung liegt im zuständigen Ausschuss, der nach zeitlichem Aufwand, Budget und Mitgliederanzahl die angemessene Höhe beschließen muss.

Die Voranschläge für das Jahr 2026 zeigen aber, dass sich die Kammerspitzen vom ÖVP-Wirtschaftsbund deutliche Erhöhungen der tatsächlichen Aufwände für die Funktionsentschädigungen eingepreist haben. Diese steigen nämlich im Vergleich zum Voranschlag 2025 um satte 25% von österreichweit rund 28 Mio. auf über 35 Mio. € (siehe dazu Abbildung 1). Im Fünfjahresschnitt (also von 2022-2026) steigen die Funktionsentschädigungen sogar um fast 42%.

Die Höhe der Funktionsentschädigungen in deinem Bundesland findest du in Abbildung 2.

Abbildung 1: Funktionsentschädigungen laut Voranschlägen der Kammern und Fachorganisationen von 2022-2026 (WKO gesamt)
Abbildung 2: Funktionsentschädigungen laut Voranschlägen der Kammern und Fachorganisationen je nach Bundesland für 2026 & 2025. *Die WKB veröffentlicht keine Voranschläge oder Rechnungsabschlüsse ihrer Fachorganisationen mehr. Der Betrag für die Fachorganisation ist eine Hochrechnung aus vergangenen Jahren um den Durchschnitt aus den anderen Bundesländern.

Wähler:innengruppenförderung

 Die Wirtschaftskammern unterstützen die im Wirtschaftsparlament vertretenen Wähler:innengruppen ähnlich der Parteienförderung über die sogennante Wähler:innengruppenförderung. Im Jahr 2026 machen diese österrweichweit rund 25 Mio. € aus (siehe Abbildung 3). Damit liegt sie im Jahr 2026 um rund 4% unter dem Betrag, der 2025 ausbezahlt wurde. Das liegt vor allem daran, dass 2025 ein Wahljahr in der Wirtschaftskammer war und die Kammern teils über die Wähler:innengruppenförderung die Wahlkampfkostenrückerstattung ausbezahlen. Im Vergleich zum Jahr 2024 (also vor der Wahl) zeigt sich aber für das Jahr 2026 ein Plus von rund 3 Mio. € oder rund 13%. Im Vergleich zum Jahr 2022 sind es im Jahr 2026 sogar rund 5 Mio. €, oder 25% mehr (siehe Abbildung 3&4). Der VPI stieg in diesen 5 Jahren um rund 28,3%.

Die Höhe der Wähler:innengruppenförderung in deinem Bundesland findest du in Abbildung 5.

Wie hoch ist der Anteil der GW? – Wir legen offen.

Die Grüne Wirtschaft erhält in Summe rund 1,84 Mio. € über die Wähler:innengruppenförderung. In Abbildung 6 siehst du, wie sich dieser Betrag zusammensetzt.

Zusätzlich zur Wähler:innengruppenförderung finanziert sich die Grüne Wirtschaft auch über die Funktionär:innenabgabe. Die GW stellt insgesamt 69 FG-, FV- und Spartenobleute bzw. Stellvertretungen, sowie in Wien einen Vizepräsidenten. Insgesamt werden voraussichtlich 594.340 € Jahr an Funktionsentschädigungen an Mandatar:innen der GW ausgeschüttet. Davon erhalten wir über die Funktionärsabgabe 59.340 €, also 10%, die in unser Budget fließen.

Nägel mit Köpfen?

Die zuvor präsentierten Zahlen basieren auf den Voranschlägen für das Jahr 2026. Wie hoch die Funktionsentschädigungen im Jahr 2026 tatsächlich ausfallen werden, hängt davon ab, wie ernst es seine Nachfolgerin Martha Schultz sowie die Spitzenfunktionär:innen des ÖVP-Wirtschaftsbundes mit der WK-Reform tatsächlich meinen. Mit ein paar kosmetischen Reformen wird es nicht getan sein.

Wir werden nicht leise sein, bis die Wirtschaftskammer auf organisatorischer, struktureller, finanzieller aber auch inhaltlicher Ebene endlich zu der Kammer wird, die sich die österreichischen Unternehmer:innen verdienen: Eine zukunftsorientierte Kammer des 21. Jahrhunderts!