Stift als Denkwerkzeug

Bei Workshops von Frances Blüml dreht sich alles darum, mit dem Stift Komplexes auf den Punkt zu bringen und Unsichtbares kommunizierbar zu machen. Dabei entstehen das eine Mal bunt gestaltete Flipcharts, das andere Mal großformative visuelle Bildprotokolle oder auch Prozessvisualisierungen. Alles davon handgezeichnet.
Angefangen hat es für Frances damit, selbst etwas Neues lernen zu wollen und für eigene Moderationen und Präsentationen schöne Flipcharts gestalten können.
»Ich wollte meine eigenen Skills in dem Bereich verbessern und habe daher während meiner Elternzeit einen Tagesworkshop besucht.« Zu ihrer Überraschung lernte sie dort vor allem eins: Es geht gar nicht darum, gut zeichnen zu können, oder schöne Bilder zu entwerfen. »Visualisierung ist eigentlich ein Denkwerkzeug, bei dem es darum geht, Wesentliches auf den Punkt zu bringen. Ich war völlig geflasht, als ich feststellte, dass es quasi ein Handwerk ist, das ich lernen kann.«
Dieses Handwerk eignete sich Frances schließlich Stück für Stück durch weitere Workshops und Kurse an und machte sich 2022 selbstständig.
Heute veranstaltet sie Workshops, in denen sie ihr erlerntes Wissen und Können an andere Menschen weitergibt – ob nun in der Gestaltung von großen Flipcharts oder kleinen Sketchnotes. Ihr Angebot umfasst zudem die Live-Begleitung von Veranstaltungen, bei denen sie in einem graphic recording (deutsch etwa: Bildprotokoll) die Hauptpunkte der Veranstaltung vor Ort in visueller Form festhält. Ihre Begleitung kann auch für Teamklausuren in Anspruch genommen werden. Wichtig ist ihr dabei, ihre Lerninhalte auch selbst umzusetzen und allen Teilnehmenden Raum zu geben, sich einzubringen.
»Im letzten Jahr durfte ich mehrere kooperative Formate entwickeln und begleiten« freut sie sich. »Das waren Veranstaltungen, bei denen Bilder aus dem Dialog mit den Menschen vor Ort entstanden sind. Sehr nahbar und eine berührende Erfahrung.«
Abseits von Stift und Papier ist Frances auch mit digitalen Tools kreativ: für manche Kund:innen erstellt sie so gut durchdachte und klar verständliche Infografiken und Infofolder sowie visuelle Arbeitstools, Strategiebilder und Leitbilder.
»Das Ziel ist nicht, ein hübsches Bild zu haben, sondern mithilfe eines Bildes eine klare und verständliche Botschaft zu kommunizieren.«
Was hat dich inspiriert, dich selbstständig zu machen?
Frances Blüml: Zu Beginn war mein Plan, mich nebenberuflich selbstständig zu machen, mit nur 10 Stunden pro Woche. Von meinen ersten Kund:innen bekam ich sehr viel Zuspruch und Ermutigung. Zusammen mit Kind und meiner regulären Anstellung fühlte sich das Leben aber ziemlich schnell so an wie der Schleudergang in der Waschmaschine – auf Dauer nicht machbar. Eine Weile habe ich daher auch ganz schön mit mir gehadert, ob die Selbstständigkeit wirklich so eine gute Idee ist.
Dann kam schließlich der Moment als mir plötzlich bewusst wurde: Eigentlich weiß ich doch, was ich wirklich machen will. Ich habe noch am selben Tag meinen Job gekündigt. Genug mit dem Hin und Her; ich brauchte diese Veränderung.
Meine Entscheidung habe ich nie bereut. Die Selbstständigkeit kann sich zu Beginn zwar auch wie ein Schleudergang anfühlen, aber es wäre für mich viel schlimmer, es nicht probiert zu haben.

Was ist »grün« an deinem Unternehmen?
Frances Blüml: Ich lebe »grün« vor allem im sozialen Sinn. Grün zu wirtschaften bedeutet für mich, wertschätzend und respektvoll miteinander umzugehen – sowohl mit meinen Kund:innen als auch mit meinem Netzwerk. Ein ermutigendes, kooperatives Miteinander ist für mich der Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg und tragfähigen Beziehungen. Visualisierung einsetzen zu können, um gute und tragfähige Lösungen zu entwickeln, also eine gute Zukunft für alle mitzugestalten, verleiht meiner Arbeit viel Sinn.
Das ist auch der Grund, warum es mich zur Grünen Wirtschaft gezogen hat. Schon bei der ersten Frühstücks-Veranstaltung war ich begeistert von der kollegialen Atmosphäre und der wertschätzenden Grundhaltung aller Teilnehmenden. Ich fühlte mich sofort willkommen.
Was die Materialien meiner Arbeit – Papier und Stifte – angeht, verbrauche ich natürlich Ressourcen und es entsteht dabei auch Müll. Die Menge ist aber überschaubar, und ich lege Wert darauf, auch hier nachhaltige Optionen auszuloten. Zum Beispiel bewusst recyceltes Papier zu verwenden, oder Stifte, die ich nachfüllen kann anstatt sie wegwerfen zu müssen.

Wofür brennst du als Unternehmerin?
Frances Blüml: Ich brenne dafür, Menschen zu ermutigen, wieder den Stift in die Hand zu nehmen.
Viele behaupten instinktiv von sich, »nicht zeichnen zu können«, oder tun das kreative Gestalten und Kritzeln als »Kinderkram« ab, weil sie das zuletzt in der Volksschule gemacht haben.
Aber im Grunde geht es darum, wiederzuentdecken, was man als Kind ja schon mal konnte und intuitiv gemacht hat! Wir alle haben die Fähigkeit dazu – eine Idee auf Papier zu bringen und damit einen weiteren Kommunikationskanal zu öffnen. Ich brenne dafür, Menschen diese Technik und diesen Mut, sich auszudrücken, wieder näher zu bringen.
Dabei fasziniert mich auch die neuropsychologische Dimension meiner Arbeit. Wie funktioniert Lernen? Wie arbeitet unser Gehirn? Wie übersetzen wir Gedanken in Sprache, ins Visuelle – und umgekehrt?
Schlussendlich macht es mir Freude, wenn ich Geschichten von Menschen visuell erzählen kann und ihren individuellen Perspektiven Form geben darf. Wenn mich Leute fragen, was ich denn mache, sage ich oft: Ich bin eine Übersetzerin mit dem Stift. Ich übersetze Geschriebenes und Gesprochenes in eine Kombination aus Wort und Bild.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview führte Michaela Pasterk
Links:
Website: www.visuellgedacht.com
Facebook: Visuell gedacht
Instagram: @francesblueml
Linkedin: Frances Blüml
