Die Wirtschaftskammer befindet sich in einer tiefen Vertrauenskrise.
Nach den jüngsten Ereignissen und dem Rücktritt von Harald Mahrer als Präsident wurde fraktionsübergreifend ein längst überfälliger Reformprozess beschlossen.

Die Grüne Wirtschaft hat diesen Prozess maßgeblich angestoßen – und wir werden ihn aktiv und kritisch begleiten. Klar ist: Die Wirtschaftskammer schuldet ihren Mitgliedern echten Veränderungswillen und spürbare Verbesserungen – ein bloßes PR-Projekt wird diesem Anspruch nicht gerecht.

Um diesen Reformprozess fundiert, faktenbasiert und im Sinne der Mitglieder zu begleiten, haben wir Unternehmer:innen eingeladen, ihre Erfahrungen, Einschätzungen und Erwartungen zur Wirtschaftskammer mit uns zu teilen – über 400 sind diesem Aufruf gefolgt.

Klarer Auftrag zur Veränderung

Die Ergebnisse unserer Umfrage zeichnen ein eindeutiges Bild: Eine Mehrheit der befragten Unternehmer:innen nimmt die Wirtschaftskammer kritisch wahr. Über 50 % bewerten sie insgesamt eher negativ oder sehr negativ; positive Bewertungen kommen nur von rund 23 % der Befragten.

Angebote rechtfertigen die Höhe der Kammerumlagen nicht

Viele Teilnehmer:innen nutzen Angebote der Wirtschaftskammer, etwa die Gründungsberatung, Rechtsberatung, die Weiterbildungsangebote des WIFI sowie Veranstaltungen und Netzwerktreffen. Doch Nutzung bedeutet nicht Zufriedenheit. Die Qualität der Beratung wird häufig als oberflächlich, widersprüchlich oder stark personenabhängig beschrieben. Positive Rückmeldungen beziehen sich meist auf einzelne engagierte Mitarbeiter:innen – nicht auf die Organisation als Ganzes.

Besonders kritisch gesehen werden die Kammerumlagen – rund 2/3 der Antwortenden finden diese zu hoch, insbesondere für Ein-Personen-Unternehmen und Betriebe mit mehreren Gewerben. Einige Unternehmer:innen empfinden die verpflichtende Mitgliedschaft nicht als ausreichend durch konkrete Leistungen gerechtfertigt.  Zusätzlich sorgt mangelnde Transparenz für Unmut: Oft bleibt unklar, wie die Mitgliedsbeiträge verwendet werden. Entsprechend groß ist der wahrgenommene Reformbedarf.

Politische Einseitigkeit und fehlende Zukunftsorientierung

Ein zentrales Reizthema ist die Dominanz des Wirtschaftsbundes und die Nähe zur ÖVP. Die Wirtschaftskammer wird vielfach als parteipolitisches Instrument wahrgenommen – nicht als breit aufgestellte Interessenvertretung aller Unternehmer:innen.

Nachhaltige Unternehmen, EPU und Kleinbetriebe fühlen sich systematisch benachteiligt. Statt Vielfalt und Zukunftsorientierung sehen viele einen Fokus auf Großunternehmen, Industrie und fossile Branchen.

Besonders scharf fällt die Kritik an der Haltung der Wirtschaftskammer in der Klima- und Nachhaltigkeitspolitik aus. Viele Unternehmer:innen werfen ihr vor, Klimaschutz, Energiewende und zentrale europäische Zukunftsprojekte wie den Green Deal aktiv zu blockieren, statt sie mitzugestalten. Der Wunsch nach einem progressiven, zukunftsorientierten Kurs ist unüberhörbar.

Strukturen, Transparenz und Demokratie

Auch die internen Strukturen stehen massiv in der Kritik: Ein aufgeblähter Apparat, zu viele Ebenen und Funktionär:innen sowie mangelnde Transparenz bei Budgets, Entscheidungen und Posten sorgen für Frustration. Das Wahlsystem wird als veraltet und unfair empfunden, die niedrige Wahlbeteiligung als Ausdruck der Entfremdung vieler Mitglieder.

Bemerkenswert ist, dass die Arbeiterkammer mehrfach als positives Gegenbeispiel genannt wird – als verbindlicher, persönlicher und mit klar erkennbarem Nutzen für ihre Mitglieder.

Unser Auftrag: Reformen im Sinne der Unternehmer:innen

Unsere Umfrage ergibt:
Unternehmer:innen wollen eine Wirtschaftskammer,

  • die transparent arbeitet,
  • die EPU und Kleinbetriebe ernst nimmt,
  • die Nachhaltigkeit und Zukunftsthemen aktiv gestaltet
  • und die echte Interessenvertretung statt Parteipolitik betreibt.

Wir bedanken uns für die Teilnahme und das Interesse seitens der Unternehmer:innen und werden ihre Anliegen konsequent, konstruktiv und unmissverständlich in den Reformprozess einbringen.

Der Reformprozess hat begonnen – ob er diesen Namen verdient, wird sich zeigen.
Wir bleiben dran!


Umfrage-Teilnehmer:inn (n) = 440
Befragungszeitraum: 09.01.2026 bis 27.01.2026