WAS UNS BEWEGT #WUB
Was bewegt dich? Was bewegt mich? Darüber macht sich August Lechner, Sprecher der Grünen Wirtschaft Niederösterreich, regelmäßig in seinem Meinungsbeitrag Gedanken …
Was wir unseren Kindern wirtschaftlich hinterlassen
Ein weihnachtlicher Blick auf Verantwortung, Mut und Weitblick
Weihnachten ist die Zeit, in der vieles langsamer wird. Termine treten zurück, Zahlen verlieren für einen Moment ihre Dringlichkeit. Und plötzlich stellt sich eine Frage, die im Alltag oft kaum Raum bekommt:
Was bleibt eigentlich von dem, was wir tun?
Diese Frage stellt sich nicht nur in Unternehmen. Sie stellt sich auch zu Hause. Wir leben in einer Patchwork-Familie mit sechs Kindern. Das sind Wege, die sich spät gekreuzt haben, Geschichten, die nicht gleichzeitig begonnen haben. Als die Zwillinge meiner Frau vor fünf Jahren in mein Leben getreten sind, waren sie elf. Heute sind sie sechzehn. In diesem Alter zählt für Kinder wenig, was man ihnen erklärt. Es zählt vielmehr das, was man täglich vorlebt.
Kinder beobachten sehr genau, wie Verantwortung aussieht. Sie sehen, ob unsere Entscheidungen auch mit Mühe getragen werden oder ob sie nur bequem sind. Ob man langfristig denkt – oder Probleme vertagt.
Ganz ähnlich ist es in der Wirtschaft. Auch hier entstehen die wichtigsten Wirkungen nicht durch große Ankündigungen, sondern durch viele kleine Entscheidungen im Alltag: bei Investitionen, bei Lieferketten, bei Mitarbeiter:innen, bei der Frage, ob man den einfacheren oder den richtigen Weg wählt.
Weihnachten bei uns ist kein perfektes Bild. Es ist laut, manchmal chaotisch, manchmal erschöpfend. Da gibt es unterschiedliche Rhythmen und unterschiedliche Bedürfnisse. Und doch entsteht genau daraus etwas Tragfähiges: das Gefühl, Teil von etwas größerem zu sein, etwas das wächst – einfach weil man sich täglich füreinander entscheidet.
Auch Wirtschaft funktioniert so. Nicht alles passt sofort zusammen. Nicht jede Entscheidung bringt sofort Gewinn. Aber dort, wo Haltung spürbar ist, entsteht Vertrauen und Vertrauen ist die Grundlage jeder langfristig erfolgreichen Unternehmung.
Mut zeigt sich dabei nicht im schnellen Erfolg. Mut zeigt sich darin, nicht immer alles auszureizen was möglich wäre, sondern vorallem das zu tun, was auch morgen noch Bestand hat. Gerade kleine und mittlere Betriebe kennen dieses Denken. Sie planen nicht kurzfristig, sondern in Jahren. Sie wissen, dass Fachkräfte keine Ressourcen sind – Natur kein Lagerbestand und Vertrauen kein Nebeneffekt.
Die Grüne Wirtschaft steht genau für diesen Zugang. Das ist kein moralischer Anspruch, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Nachhaltigkeit bedeutet Vorsorge: für Betriebe – für Regionen – für jene, die nach uns kommen.
Wenn wir unseren Kindern etwas hinterlassen wollen, dann sich nicht nur funktionierende Betriebe oder volle Auftragsbücher, sondern ein Wirtschaftssystem, das Verantwortung kennt, Fehler eingesteht und uns allen eine lebenswerte Zukunft ermöglicht.
Weihnachten erinnert uns daran, dass wir Teil einer größeren Geschichte sind und dass es manchmal reicht, das Richtige zu tun, auch wenn es nicht unbedingt werbewirksam „laut“ ist.
In diesem Sinn wünsche ich euch allen ruhige Feiertage, Zeit für einen objektiven Rückblick – und den Mut, das kommende Jahr mit Haltung zu beginnen.
Frohe Weihnachten wünscht euch und euren Familien und Freunden
August Lechner
Sprecher der Grünen Wirtschaft Niederösterreich