WAS UNS BEWEGT #WUB
Was bewegt dich? Was bewegt mich? Darüber macht sich August Lechner, Sprecher der Grünen Wirtschaft Niederösterreich, regelmäßig in seinem Meinungsbeitrag Gedanken.
Silvester – ein Feiertag im kalten Winter
Jeder Jahreswechsel hat etwas klärendes in sich. Die Tage sind kurz, der Boden ist hart, vieles wirkt zwar ruhig – aber genau deshalb hört man oft genauer hin. Auch in der Wirtschaft.
Für die WKO gab es im vergangenem Jahr wenig Applaus, eher heftige Irritation. Eine Debatte rund um die Wirtschaftskammer hat einige überrascht, manche verärgert, viele nachdenklich gemacht. Nicht nur weil Gehälter gestiegen sind – Arbeit darf und soll fair bezahlt werden – sondern weil das Wie und das Wann etwas sichtbar gemacht haben, das lange unter der Oberfläche gelegen ist: die Distanz zwischen einer trägen Institution und ihren Pflichtmitgliedern.
Gerade im Winter merkt man, ob ein Haus gut gebaut ist. Kann das Haus die Wärme halten oder ist es zugig und schlecht gedämmt. Genau dieses Gefühl hatten viele Unternehmerinnen und Unternehmer zum Jahresende: Es zieht und es ist bitter kalt.
Für Einpersonen-Unternehmen, für kleine Betriebe und für all jene die jeden Euro zweimal umdrehen müssen, ist Vertrauen kein abstrakter Wert. Vertrauen ist die Grundlage dafür gerne und bewusst Mitglied einer Organisation zu sein, Pflichtmitgliedsbeiträge zu bezahlen und dort mitzugestalten, wo es möglich ist. Wenn dieses Vertrauen Risse bekommt, stellt sich zwangsläufig die Frage: Wofür eigentlich?
Diese Frage ist unbequem, aber sie ist notwendig.
Winter ist die Jahreszeit, in der nichts wächst – aber tief in den untersten Schichten wird vorbereitet. Unter der Erde sammeln Pflanzen ihre Kraft. Dieser Aufbau ist grundlegend für die nächste große Etappe im Frühjahr. Ganz sicher ist genau das die Phase in der sich die Wirtschaftskammer gerade befindet. Die Diskussion um Pflichtmitgliedschaft, um Transparenz, um Verantwortung ist kein Angriff auf die Kammer. Das sind sichtbare Zeichen dafür, dass viele wollen, dass diese Institution wieder näher an den Alltag der Betriebe rückt: verständlicher, ehrlicher und zeitgemäß.
Die Grüne Wirtschaft sieht darin keine Krise, sondern eine riesige Chance. Die einmalige Chance Strukturen zu erneuern, das Vertrauen zurückzugewinnen und die Kammer wieder zu dem zu machen, was sie sein sollte: eine starke, glaubwürdige Vertretung jener, die dieses Land wirtschaftlich tragen.
Reformen brauchen keinen großen Lärm, sie müssen aber sichtbar und kontinuierlich vorangetrieben werden. Da braucht es eine klare Richtung, denn Reformen brauchen Mut. Wir müssen auch im tiefsten Winter über den kommenden Frühling zu sprechen. Denn auf eines sollten wir vertrauen – das Frühjahr kommt verlässlich – Schritt für Schritt, mit klarer Sicht auf die Dinge und neuem Wachstum, mit dem Wissen, dass Veränderung nicht zerstört, sondern trägt – wenn man sie ernst meint.
Zum Beginn dieses neuen Jahres wünsche ich uns allen genau das: einen klaren Blick nach vorne, den Mut zur Erneuerung und das Vertrauen, dass aus einer ehrlichen Debatte etwas Besseres entstehen kann.
Der Winter stellt Fragen.
Der Frühling gibt Antworten.
Prosit Neujahr wünscht euch, euren Familien und Freunden
August Lechner
Sprecher der Grünen Wirtschaft NÖ