WAS UNS BEWEGT #WUB
Was bewegt dich? Was bewegt mich? Darüber macht sich unser Regionalsprecher August Lechner regelmäßig in seinem Meinungsbeitrag Gedanken.
Arbeiten im Alter – und die Frage, was wir eigentlich belohnen wollen
Seit Wochen verhandelt die Regierung darüber, wie das Arbeiten im Alter attraktiver werden soll. Erst war es die groß angekündigte „Flat Tax“, nun dämmert der Koalition, dass dieses Modell vielleicht doch nicht das Werkzeug ist, das wir brauchen. Plötzlich schaut man nach Deutschland und entdeckt dort einen Zugang, der – wie so oft – weniger spektakulär, aber deutlich praxistauglicher ist: ein monatlicher Freibetrag für Zuverdienst im Alter.
Warum ist das für uns als Grüne Wirtschaft wichtig?
Weil diese Debatte viel größer ist als Steuertechnik. Sie berührt die Frage, wie wir mit Erfahrung, Wissen und Arbeitslust im dritten Lebensabschnitt umgehen. Ob wir Menschen, die weiterarbeiten möchten, wirklich unterstützen – oder ihnen durch komplizierte Regeln signalisieren, dass sie eher stören als stärken.
Ich erlebe als Unternehmer jeden Tag, wie wertvoll jene Kolleginnen und Kollegen sind, die – oft jenseits des Pensionsalters – mit einer besonderen Ruhe, Klarheit und Reife arbeiten. Dieses Potenzial zu heben, wäre ein volkswirtschaftlicher Schatz. Aber: Es gelingt nur, wenn die Regeln einfach, gerecht und verlässlich sind.
Was bedeutet das für uns als Grüne Wirtschaft?
Wir stehen für einen klaren Grundsatz:
Arbeit im Alter soll möglich sein – ohne Hürden, ohne Privilegien für die einen und Nachteile für die anderen.
Deshalb begrüßen wir jede Lösung, die drei Bedingungen erfüllt:
- Einfachheit statt Bürokratie.
Ein Freibetrag ist verständlicher als eine Flat Tax mit Ausnahmebestimmungen und Sonderbeiträgen. - Gerechtigkeit zwischen Arbeitern, Angestellten und Selbstständigen.
Eine Lösung, die Selbstständige ausschließt, ist keine Lösung, sondern eine Einladung zu neuen Ungleichheiten. - Wirtschaftliche Vernunft.
Wir brauchen Modelle, die Menschen tatsächlich motivieren – aber nicht einseitig jene bevorzugen, die ohnehin sehr hohe Einkommen beziehen.
Unsere Aufgabe als Grüne Wirtschaft ist es, im Lärm der tagespolitischen Manöver an eines zu erinnern: Wir reformieren nicht für Systeme. Wir reformieren für Menschen.
Wenn ältere Menschen ihre Erfahrung weitergeben wollen, dann sollten wir das nicht mit Paragrafen behindern, sondern mit klaren Regeln ermöglichen. Und wenn Selbstständige dabei wieder einmal vergessen zu werden drohen – dann ist es unsere Verantwortung, das laut und deutlich anzusprechen.
Vielleicht ist das Arbeiten im Alter wirklich wie diese alte Werkstatt: Das Werkzeug ist da. Wir müssen nur den Mut haben, die unnötigen Schlösser zu entfernen – und die Tür endlich zu öffnen.
August Lechner
Landessprecher der Grünen Wirtschaft Niederösterreich