Seit Jahren macht die Grüne Wirtschaft darauf aufmerksam: Die Rücklagen der Wirtschaftskammer sind unverhältnismäßig hoch. Immer wieder haben wir vorgerechnet, dass die Summe der Reserven längst die 2 Milliarden Euro-Marke überschritten hat. Jedes Mal hat die Kammer diese Zahlen kleingeredet, relativiert oder schlicht bestritten.
Nun, im Zuge des aktuellen WKÖ-Skandals, passiert aber etwas Bemerkenswertes:
In einem eigenen „Faktencheck“ bestätigt die Wirtschaftskammer erstmals öffentlich, dass sich die Rücklagen tatsächlich auf über 2 Milliarden Euro belaufen. So weit, so gut – oder besser: so überfällig.
… und dennoch wird wieder getäuscht und beschönigt
In einem weiteren Absatz versucht die WKÖ nämlich erneut, die tatsächliche Situation zu verschleiern. Dort heißt es:
„Für die gesamte Wirtschaftskammerorganisation beträgt das Gesamtvolumen der Rücklagen rund 2 Mrd. Euro. Davon entfallen jedoch fast zwei Drittel auf gebundenes Kapital (…) Damit verbleiben rund 780 Mio. Euro an Rücklagen (…)“
(Quelle: Faktencheck WKÖ)
Das klingt zunächst plausibel – ist aber schlicht falsch.
Die angeführten 780 Mio. Euro sind ausschließlich die Rücklagen der Kammern, nicht der Fachorganisationen. Die tatsächlichen nicht gebundenen Rücklagen der gesamten WKÖ liegen – trotz Abzug aller Liegenschaften, Immobilien und gebundenen Mittel – weiterhin bei deutlich über 1,3 Milliarde Euro.
Zudem ist die Argumentation der nicht gegebenen Verfügbarkeit der gebundenen Rücklagen aus unternehmerischer Sicht blanker Hohn. Bei Bedarf kann neben Reserven aus Barmitteln schließlich auch der Verkauf von Immobilien oder zumindest die Verwendung dieser zur Besicherung von Darlehen herangezogen werden. Es handelt sich also dennoch um Rücklagen – auch, wenn sie gebunden sind.

Mit anderen Worten:
Die Wirtschaftskammer bestätigt endlich die Gesamthöhe der Rücklagen – aber versucht gleichzeitig, den ungebundenen Teil kleinzurechnen.
Und damit ist es nicht getan. Die Rücklagen der WKÖ wachsen weiter.


Ein Muster, das sich wiederholt
Dieses Vorgehen zieht sich seit Jahren durch:
Statt vollständige Transparenz zu schaffen, präsentiert die Kammer Ausschnitte, Halbwahrheiten oder Berechnungen, die den Anschein erwecken sollen, alles sei im Rahmen. Doch die tatsächlichen Zahlen sprechen eine andere Sprache – und nicht erst seit diesem Skandal.
Wie wir schon in früheren Glasklar-Ausgaben dokumentiert haben:
- Die Rücklagen der Wirtschaftskammer steigen weiter an – allein seit 2019 um stolze 330 Mio. €.
- Sie haben 2023 erstmals die Marke von 2 Mrd. € überschritten – ein historisches Rekordhoch.
- Pro Mitglied verfügt die WKÖ über rund 3.500 € an Rücklagen – 25-mal so viel wie die Arbeiterkammer.
Diese Fakten sind eindeutig und seit Jahren bekannt. Die WKÖ hat sich jedoch beharrlich geweigert, die vollständige Höhe offenzulegen oder in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihre Pflichtmitglieder zu entlasten.
Warum das gefährlich ist
Eine Interessensvertretung, die über enorme Rücklagen verfügt, gleichzeitig aber einen Sparkurs predigt und ihren Mitgliedern keinen spürbaren Mehrwert bietet, verliert an Glaubwürdigkeit.
Und eine Kammer, die nach wie vor – selbst unter öffentlichem Druck – nicht transparent kommuniziert, sondern erneut versucht zu relativieren, hat ein strukturelles Problem.
Was es jetzt bräuchte, ist echte Einsicht: volle Transparenz, klare Rechenschaft und umfassende Reformen der Kammerstrukturen. Stattdessen bleibt die WKÖ bei ihrem alten Muster: mauern, beschönigen, kleinreden.
Fazit
Die Wirtschaftskammer steht momentan so stark unter Beobachtung wie selten zuvor. Dass sie jetzt – gezwungen durch den öffentlichen Druck – erstmalig die 2 Mrd. Euro Rücklagen offiziell bestätigt, ist ein wichtiger Schritt. Dass sie gleichzeitig versucht, den frei verfügbaren Teil massiv herunterzurechnen, zeigt jedoch: Die alte Un-Kultur ist nicht überwunden und die Kammer ist weiterhin weit entfernt von echter Transparenz.
Daher gilt: Wir bleiben dran – und wir bleiben glasklar!