Die unterschätzten Ressourcen der Stadt

Hubert Nussbaumer mischt den Wiener Altwarenhandel auf – und will damit ein kleines bisschen die Welt retten. Was vor zehn Jahren mit einer Tauschbrett-Idee im siebten Wiener Gemeindebezirk Neubau begann, ist mittlerweile zu sechs Vintage Shops in Neubau und den umliegenden Bezirken herangewachsen. Dort finden nicht nur Kleidung und Schuhe, sondern auch Möbelstücke, verschiedenste Alltagsgegenstände, Geräte und Kuriositäten neue Besitzer:innen, die sie brauchen und schätzen.
»Wir sind Teil der aktuellen Vintage-Bewegung und eines Umdenkens, was Konsum betrifft«, erzählt Hubert im Interview. »Immer mehr junge Leute wollen bewusst Dinge besitzen und verwenden, die bereits im Umlauf sind, anstatt neue Artikel zu kaufen, die oft in Niedriglohnländern hergestellt und über lange Transportwege ins Geschäft oder direkt nach Hause geliefert werden.« Für den Unternehmer ist es ein Anliegen, funktionierenden und gut erhaltenen Stücken ein neues und längeres Leben zu ermöglichen.
Wichtig dabei ist ihm, ökologisch, nachhaltig und sozial zu wirtschaften. Die Hubsi Shops sind bedacht auf moderate Preise, die sie offen und zugänglich für alle Menschen der Gesellschaft halten. Und das Tauschbrett? Das gibt es nach wie vor!
Was hat dich inspiriert, dich selbstständig zu machen?
Hubert Nussbaumer: Angefangen hat alles vor ungefähr 10 Jahren in der Grünen Bezirksgruppe Neubau. Damals war ich Bezirksrat und es entstand die Idee, im Grätzl eine Tauschbox zu etablieren. Als wir den Versuch dann starteten, war diese Tauschbox relativ schnell ein sehr großer Erfolg. Der Gedanke, das Ganze auch mit mehr Struktur aufzuziehen und dann auch ausbauen zu können, kam mir damals schon.
Ich bin inzwischen nicht mehr in der Politik aktiv, aber die Hubsi Shops waren mein Weg, um weiterhin einen Beitrag zu leisten, die Welt ein wenig grüner zu machen.

Was ist »grün« an deinem Unternehmen?
Hubert Nussbaumer: Mein Prinzip ist, dass jede noch so kleine Handlung ökologisch sein soll. Bei Hubsi überlegen wir bei allem, was wir machen: »Was hat das für eine Auswirkung? Und auf wen?«
Zum Beispiel ist unsere Mobilität grün – im Stadtverkehr verwenden wir kleine E-Fahrzeuge oder öffentliche Verkehrsmittel. Wir beschränken Energie- und Heizkosten auf das nötige, um sinnlosen Verbrauch zu vermeiden. Ein weiteres Prinzip bei Hubsi ist es auch, das zu verwenden, was schon da ist – nicht nur bei den Artikeln, die wir verkaufen – und so ressourcenschonend wie möglich zu wirtschaften.
Und zum Schluss sind wir auch sehr grätzlorientiert und lokal. Als Geschäft sind wir damit sehr nah an unseren Kund:innen und unser Umgang ist persönlich und auf Augenhöhe.
Wofür brennst du als Unternehmer?

Hubert Nussbaumer: Ich brenne seit jeher für die Grünen Grundwerte. Ich brenne dabei vor allem für den achtsamen Umgang mit Ressourcen – und damit meine ich nicht nur Energie und Natur. Ich finde, die Stadt als Raum und als Community gibt uns noch ganz andere Ressourcen, die oft übersehen werden. Das kann zum Beispiel ein altdeutsches Möbelstück oder eine Vase sein, oder Kleidung, die vielleicht zu groß oder zu klein geworden ist, aber ansonsten in tadellosem Zustand ist. In meinem Unternehmen sammeln wir diese Ressourcen und verwerten sie wieder.
Das ist mir wichtig, auch wenn ich vielleicht einmal kein Geld damit mache. Ich schätze, dass über die Jahre irgendwas zwischen 50.000 € und 100.000 € an Waren über meine Tauschbretter gewandert sind. Völlig kostenlos – und mich freut es, dass Dinge weiterleben können, anstatt vor ihrer Zeit im Müll zu landen.
Mein Traum wäre es, über öffentliche Stellen wie etwa die MA48 Tauschbörsen in ganz Wien einrichten zu können und damit noch mehr Bewegung in die Sache zu bringen. Der Tauschgedanke ist nämlich in der Grätzlkultur tief verankert – man sieht es ja an öffentlichen Bücherschränken und diversen »Tauschfensterbrettern« in Wohnhäusern.
Ja – man merkt, dafür brenne ich. 😊 Und nebenbei macht mir meine Arbeit auch ziemlich Spaß.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview führte Michaela Pasterk
Links:
Website: hubsi.shop
Instagram: hubsi.shop

Fotocredit Titelbild: © clique.wien
