Schuhe für Mensch und Planet

Galahad Clark ist Gründer und Geschäftsführer von Vivobarefoot: Ein Unternehmen, das sich auf Innensohlen-lose Barfußschuhe spezialisiert hat. Der Beruf und die Tradition des Schuhmacherhandwerks sind für den Unternehmer Wegbegleiter, die er schon früh schätzen gelernt hat. Aber seine Vision war größer: »Ich verspürte immer den Drang, die Grenzen der Schuhindustrie herauszufordern – insbesondere im Hinblick auf das Barfußlaufen und die problematische Haltbarkeit herkömmlicher Schuhe.« Galahad hatte bald für sich erkannt, dass es für die Gesundheit wichtig ist, trotz Schuhen den Boden zu spüren und die natürliche Gangart des Menschen wiederzugewinnen.
Diese Erkenntnis motivierte den Unternehmer letztlich dazu, sich 2012 selbstständig zu machen und mit Vivobarefoot durchzustarten. »Ich wollte Schuhe entwickeln, die gut für unsere Füße und gut für die Umwelt sind. Von Anfang an war es meine Vision, Schuhe zu produzieren, die nicht nur unsere Füße unterstützen, sondern auch aktiv zur Regeneration der Umwelt beitragen«, erzählt er im Interview.
Was hat dich inspiriert, dich selbstständig zu machen?
Galahad Clark: Auf meinem Weg als Unternehmer habe ich mich stets von meiner Familientradition in der Schuhindustrie und meiner persönlichen Vision eines gesünderen und nachhaltigeren Schuhdesigns leiten lassen. Die Möglichkeit, die Welt zu bereisen und von modernen Handwerker:innen und indigenen Schuhmacher:innen zu lernen, hat mir ein tiefes Verständnis für die Prinzipien des Barfußdesigns und der natürlichen Bewegung des Fußes gegeben. Für mich ist der menschliche Fuß das faszinierendste »technologische Meisterwerk«, das in einen Schuh integriert werden kann.
Im Jahr 2012 habe ich beschlossen, meine ganze Energie Vivobarefoot zu widmen und alles andere aufzugeben, um mich vollkommen dieser Mission hinzugeben. Zuvor hatte ich mein erstes Schuhprojekt »Wu Shoes« ins Leben gerufen, inspiriert vom Wu-Tang Clan und ihrer Liebe zu Clarks Wallabees. Aber erst Vivobarefoot hat meine wahre Leidenschaft entfacht.
Unternehmer zu sein, war alles andere als ein leichter Weg. Insbesondere zwischen 2012 und 2015/2016 stand ich täglich vor der Herausforderung, Stabilität zu schaffen und zu bewahren. Dennoch blieb ich meiner Vision treu: Schuhe zu entwickeln, die eine gesunde und nachhaltige Alternative zu anderen Schuhen sind, und dabei das Erbe meiner Familie mit Innovation zu verbinden. Und trotz aller Schwierigkeiten hat sich meine Beharrlichkeit ausgezahlt: Heute ist Vivobarefoot eine starke, unabhängige Marke, die Gutes für die Menschen und den Planeten tut.
Der Unfinished Business Report zeigt, dass unser Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 19 Prozent gestiegen ist – das entspricht rund 88 Millionen britische Pfund. Wir haben kontinuierlich daran gearbeitet, die menschliche Gesundheit zu fördern und die ökologische Nachhaltigkeit zu verbessern. Mit Revivo, unserem Programm zur Aufarbeitung beschädigter Schuhe, haben wir einen zusätzlichen Umsatz von 4 Millionen Pfund erzielt und 53.000 Paar Schuhe vor der Entsorgung bewahrt. Darüber hinaus verbessern wir die grüne Logistik und die Kreislaufwirtschaft entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Was ist »grün« an deinem Unternehmen?
Galahad Clark: Wir bei Vivobarefoot setzen uns konsequent für die Verwendung nachhaltiger Materialien und umweltfreundlicher Produktionsprozesse ein. Unser Ziel geht jedoch über die bloße Minimierung der Umweltbelastung hinaus: Wir streben einen regenerativen Ansatz an, der sowohl der Natur als auch den Menschen zugute kommt. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit unserer Arbeit nicht nur den Status quo erhalten, sondern aktiv zur Wiederherstellung und Erneuerung unserer Welt beitragen müssen.
Transparenz ist für uns wichtig. Wir legen großen Wert darauf, dass unsere gesamte Lieferkette – von der Idee bis zur Produktion – offen und nachvollziehbar bleibt. Jeder Schritt muss unseren ethischen Grundsätzen entsprechen. Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit ist die »End-of-Life«-Problematik von Schuhen: Wir versuchen, Kreislaufsysteme zu entwickeln, die Abfall vermeiden und Materialien so lange wie möglich wiederverwendbar machen. Nachhaltigkeit ist für uns kein Lippenbekenntnis, sondern integraler Bestandteil unseres Geschäftsmodells. Wir investieren 80 Prozent unseres Gewinns vor Steuern in soziale und ökologische Projekte, um nicht nur unseren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, sondern auch aktiv einen positiven Beitrag zu leisten.
Ein wichtiger Meilenstein von Vivobarefoot war die B-Corp-Zertifizierung im Jahr 2020, die unser Engagement für soziale und ökologische Verantwortung offiziell bestätigt. Im Jahr 2021 haben wir außerdem den Livebarefoot Fund gegründet, um Projekte zu unterstützen, die unsere Mission voranbringen. Wir geben zu, dass wir noch nicht perfekt sind. Es gibt noch viel zu tun und wir stehen erst am Anfang eines langen Weges. Aber wir arbeiten kontinuierlich an unserem Ziel, den nachhaltigsten Schuh der Welt zu entwickeln – Schritt für Schritt, mit voller Überzeugung und dem festen Willen, immer besser zu werden.
Wofür brennst du als Unternehmer?

Galahad Clark: Als Unternehmer ist es mir ein Anliegen, Produkte und Konzepte zu entwickeln, die das Leben der Menschen bereichern und unsere Umwelt schützen.
In meiner Familie stieß die Idee minimalistischer Schuhe zunächst auf Skepsis. Meine Verwandten bewunderten zwar meine Leidenschaft für Schuhe ohne Innensohle, zweifelten aber an der Marktfähigkeit solcher Modelle. Doch diese Zweifel hielten mich nicht auf – im Gegenteil: Sie motivierten mich, meinen eigenen Weg zu gehen. Zusammen mit meinem Cousin Asher gründete ich ein Unternehmen, um meine Vision zu verwirklichen. Unsere Mission war klar: Wir wollten eine Marke schaffen, die Menschen mit der Natur verbindet, ihre Gesundheit fördert und eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Schuhen bietet. So entstand Vivobarefoot – eine Symbiose aus Familientradition, Innovationsgeist, Gesundheitsbewusstsein und Nachhaltigkeit. Der Weg dorthin war geprägt von Leidenschaft, Herausforderungen und der Überzeugung, dass Schuhe mehr sein können als nur ein Konsumprodukt. Sie können einen positiven Einfluss haben und einen echten Unterschied machen – für die Menschen und den Planeten.
Mit Vivobarefoot habe ich mich darauf spezialisiert, Schuhe zu entwerfen, die es unseren Füßen ermöglichen, sich natürlich zu bewegen. Ich bin davon überzeugt, dass Barfußschuhe nicht nur die Gesundheit fördern, sondern uns auch helfen, eine tiefere Verbindung zur Natur aufzubauen. Gerade diese Nähe zur Natur liegt mir besonders am Herzen – denn nur wenn wir uns mit ihr verbunden fühlen, können wir sie auch wirklich schätzen und schützen.
Vielen Dank für das Interview!
Das Interview führten Vanessa Zwieb und Michaela Pasterk
Links:
Website: www.vivobarefoot.com
Facebook: Vivobarefoot
Instagram: Vivobarefoot
LinkedIn: Vivobarefoot
Twitter/X: @vivobarefoot
Fotocredit Titelbild: © vivobarefoot
