Nicht erst seit der Ukraine-Krise und der damit verbundenen Energie-Krise ist die Energiewende ein heißes Thema. Wissenschaftler:innen auf der ganzen Welt mahnen seit Jahrzehnten massive Veränderungen hin zu erneuerbaren Energien ein. Welche Rolle kann das Burgenland spielen und wie soll es weitergehen?

Diesen Fragen stellten sich am Mittwochabend Leonore Gewessler, Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, Stephan Sharma, Vorstandsvorsitzender Energie Burgenland und Günter Wind, Ingenieurbüro für Physik, Projekt „Energiewende konkret“ im Weinwerk, Neusiedl am See. Moderiert hat die Gastgeberin des Abends Anja Haider-Wallner, Regionalsprecherin der Grünen Wirtschaft im Burgenland.

Giant Leap oder Little-too-late?

Schon in der Auftakt-Runde stellt Haider-Wallner den Bezug zum kürzlich erschienen Report des Club of Rome her und fragt die Diskutant:innen nach ihrer Einschätzung. Wird sich das gerade nicht ausgehen (little-too-late) oder werden wir als Menschheit den Sprung in ein neues Zeitalter schaffen, in dem wir Systeme grundlegend verändern (Giant Leap)? Alle sind sich einig: es wird gelingen, wenn wir jetzt alles beim Ausbau der erneuerbaren Energiequellen und Einsparungen geben. Einen wesentlichen Anteil an der Transformation werden Unternehmen haben. Bundesministerin Gewessler ist zuversichtlich: „Die Wettbewerbsfähigkeit der Zukunft hängt am Klimaschutz und der Energiewende. Das haben schon sehr viele verstanden!“

Burgenland Energie fängt im eigenen Haus an

Stephan Sharma von der Burgenland Energie berichtet über die Einsparungen im eigenen Haus: „Die Raumtemperatur wird auf 19°C gesenkt, ein Lift und die IT nachts abgeschaltet.“ Auch kleine Maßnahmen im Haushalt haben große Wirkung, verweist Leonore Gewessler auf die vor wenigen Tagen gestartete Kampagne 11%.

Ist das Burgenland Vorbild oder Nachzügler im Klimaschutz?

Große Einigkeit herrschte darüber, dass das Burgenland Vorreiter in Sachen Windkraft ist, auch der Photovoltaik-Ausbau schreitet voran. Mit einem organischen Speicher und einer Anlage zur Erzeugung von grünem Wasserstoff aus Wind und Sonne sind weitere Zukunftsprojekte in der Umsetzung. Der Experte für die Klimawende Günter Wind weist dennoch darauf hin, dass wir immer noch sehr viele Öl- und Gasheizungen haben und deren Austausch bis 2030 ambitioniert ist. Auch bei Photovoltaik bestehe Nachholbedarf, was die baurechtlichen Genehmigungsverfahren betrifft.

Muss man sich Klimaschutz leisten können?

Die sozialen Aspekte der aktuellen Krisensituation aber auch der notwendigen Investitionen für den Klimaschutz wurden mit dem Publikum diskutiert. Stephan Sharma verweist auf günstige Modelle für den Tausch des Heizsystems auf eine Wärmepumpe und Beteiligungsmodelle an Photovoltaikanlagen, die jede:m beim Sparen helfen. Leonore Gewessler empfiehlt: „ Erzählen Sie es weiter. Es gibt 100% Förderung für den Tausch von Öl- oder Gasheizungen für jene Haushalte, die zu den unteren 20% der Einkommensbezieher:innen gehören.“ Die Förderabwicklung für Photovoltaikanalgen werde auch laufend optimiert und vereinfacht.

Ein gelungener Abend

Die zahlreichen Interessierten waren sich am Ende des Tages ebenso einig, wie das Podium: Sie waren begeistert von einer nahbaren Ministerin, die kompetent und ausgewogen argumentiert und einem Vorstand der Burgenland Energie, der ebenso ehrlich und offen antwortet Der Abend hat Hoffnung gemacht. Eine Teilnehmerin sagte zum Abschied: „Ich weiß jetzt, dass auch die kleinen Maßnahmen etwas bringen und ich werde es auch im Freundes- und Bekanntenkreis erzählen. Wenn jede:r seinen Beitrag leistet, dann können auch meine Enkerl noch ein gutes Leben haben.“

Fotocredits: Peter Tuma/ Grüne Wirtschaft