Samstag 11. Februar 2012

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AKTUELL | 22.02.2010

Wahlkarten-Betrug bei Wirtschaftskammer-Wahl

Sieben Fragen an Christoph Leitl


Sehr geehrter Herr Präsident Leitl!


Speziell in Wien häufen sich die Hinweise auf massive

Unregelmäßigkeiten bei der Beantragung, Verteilung und Rücksendung

von Wahlkarten zur Wirtschaftskammer-Wahl:


Tausende Wahlkarten wurden versendet, obwohl sie von den

Wahlberechtigten selbst nicht beantragt worden sind.


Zahlreiche UnternehmerInnen beschweren sich, dass sie von

MitarbeiterInnen des ÖVP-Wirtschaftsbundes belästigt wurden, diesen

ihre Wahlkarte auszuhändigen, obwohl diese eigentlich per

Post zurück zu senden sind. In Medienberichten ist bereits von

»massivem Druck« und »Wahlkarten-Diebstahl« die Rede.


Da die Grüne Wirtschaft schon vor Monaten auf diese Missstände

hingewiesen hat, Sie aber nicht bereit waren, diesbezüglich seitens des Wirtschaftsbundes Fairness zu garantieren, frage ich Sie:


1. Bei der letzten Wiener Wirtschaftskammer-Wahl gab es

29.837 abgegebene gültige Stimmen. Heuer wurden laut Auskunft

der Hauptwahlkommission der Wiener Wirtschaftskammer in Wien

rund 25.000 Wahlkarten (!) beantragt.
Wie ist dieser explosionsartige Anstieg bei den Wahlkarten-Anträgen

zu erklären? Können Sie ausschließen, dass hier in großem Stil von

ÖVP-Wirtschaftsbund und Sozialdemokratischem Wirtschaftsverband

Wahlkarten beantragt wurden? Können Sie garantieren, dass alle

25.000 Wahlkartenanträge von den Wahlberechtigten selbst

rechtskonform unterfertigt wurden?


2. Warum fordert der ÖVP-Wirtschaftsbund die UnternehmerInnen

auf, Wahlkarten nicht wie vorgesehen bei der Kammer, sondern im

Wirtschaftsbund-Büro zu bestellen? Ist die Wirtschaftskammer

Ihrer Ansicht nach unfähig, den Wahlkartenversand

ordentlich durchzuführen?


3. Zahlreiche UnternehmerInnen, die am offiziellen Weg eine

Wahlkarte bei der Kammer bestellt haben, bekamen kurz nach

Zusendung der Wahlkarte einen Anruf des ÖVP-Wirtschaftsbundes.

Woher weiß der ÖVP-Wirtschaftsbund, wer eine Wahlkarte

beantragt hat? Wurde hier seitens der Wahlbehörde das

Amtsgeheimnis verletzt?


4. Einzelne Landeskammern bieten den Fraktionen elektronische

Verzeichnisse aller Wahlkarten-Antragsteller an. Ist Ihnen klar, dass

dies eine massive Verletzung des Datenschutzes darstellt?


5. Sowohl der ÖVP-Wirtschaftsbund, aber auch der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband bieten ein so genanntes »Wahlkarten-Abholservice«

an, bei dem MitarbeiterInnen der Fraktionen Firmen und Geschäfte

besuchen, um die ausgefüllten Wahlkarten mitzunehmen. Auf viele

UnternehmerInnen wurde Druck ausgeübt, die Wahlkarte im Beisein der

Funktionäre auszufüllen. Dies stellt eine massive Verletzung des

Wahlgeheimnisses dar! Warum mischt sich der ÖVP-Wirtschaftsbund

in die Wahlkarten-Wahl ein? Funktioniert die Post-Einlaufstelle der

Wirtschaftskammer nicht? Entspricht dieses Vorgehen dem von Ihnen

propagierten »Wettbewerb der besten Ideen«?


6. In etlichen Fällen haben sich Personen in den Geschäften und

Firmen als »Mitarbeiter der Wirtschaftskammer« vorgestellt.

Die Wirtschaftskammer sammelt jedoch unseres Wissens nach selbst

keine Wahlkarten ein. Können Sie ausschließen, dass die

MitarbeiterInnen des ÖVP-Wirtschaftsbundes mit Amtsanmaßung

arbeiten, um den WählerInnen Wahlkarten zu entlocken?


7. Da es für die Wirtschaftskammer-Wahl keine neutrale

Aufsichtsbehörde gibt und alle Hauptwahlkommissionen mit absoluter

Mehrheit vom ÖVP-Wirtschaftsbund besetzt sind, frage ich Sie:
Werden Sie sich persönlich für eine unabhängige Untersuchungs-

kommission einsetzen, die alle oben genannten Vorfälle untersucht

und ein faires Wahlergebnis nach westlich-demokratischen

Mindeststandards garantieren kann?



Mit freundlichen Grüßen,


Volker Plass
Spitzenkandidat der Grünen Wirtschaft zur

Wirtschaftskammer-Wahl 2010

SozialverUN-

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Pichlbauer

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