Donnerstag 17. Mai 2012
Berichterstattung | 06.02.2012

Tirol hat mehrere Gesichter

Noch lange vor dem dunklen Loch im Berg, bräuchte Tirol eine neue politische Kultur der Klugheit. (Brief an Tirol, Tiroler Tageszeitung, 06.02.2012, S 4/5)


Liebes Tirol,

wie schön Du sein kannst! Hier der funkelnde Inn, die tief verschneite Nockspitze, der Kofel mit weißer Mütze. Dort die leuchtenden Türme des Innsbrucker Doms, der schimmernde Glaskubus am Rathaus.

Tirol, Du und Deine Landeshauptstadt, Oase der Ruhe, Insel der Seligen, letzte Bastion traditioneller Politik und Heimat zufriedener Menschen. So wirst du gerne "verkauft".

Ach, liebes Tirol, da driftet wohl was ziemlich auseinander – Wunschbild und Wirklichkeit. Konfrontiert sind wir mit der Tatsache, dass Schwarzrot seit Jahrzehnten nicht im Entferntesten daran denkt, wirtschaftspolitisch spannende neue Weichen zu stellen, die nachhaltig, sozial, und ökonomisch vernünftig im Sinne der Zukunft wären. Dass Schwarzrot nicht im Entferntesten daran denkt, Gesetze einzuhalten und Urteile umzusetzen. Dass Schwarzrot uns immer noch glauben lassen möchte, ein "Verschwendungsloch" im Berg löse alle Probleme. Dass Schwarzrot lieber vom Hahnenkamm winke-winke mit Fahnderl macht, statt in Ihren Amts- und Klubstuben für dich, Tirol, für den sozialen Zusammenhalt, für deine gesunde Umwelt zu arbeiten. Und jetzt auch das: Weg ist's – das Triple A. Irgendwo bei einem der Empfänge vom Buffet genommen und von einer bösen Agentur verspeist.


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"Die Politik" hat die Aufgabe Weitblick zu üben, höre ich, sie muss diesen in gesetzlich vernünftige Bestimmungen kleiden, muss zukünftige Bedürfnisse lange vor deren Offensichtlichkeit erkennen, muss Überzeugungsarbeit leisten, kraftvoll agieren, politisch gescheiter, wissender, erfahrener sein, als man als "NormalbürgerIn" ist. Die " Kultur" eines Landes leitet sich davon ab, wie PolitikerInnen o. g. Kriterien verstehen. Politische Kultur muss vor Egoismus und Kalkül gestellt werden. Vielleicht, liebes Tirol, könnten Deine politischen VerwalterInnen doch ihre Befindlichkeiten und deren Störungen nach hinten reihen und die herrschende globale Irritation als Möglichkeit des regional adäquaten Handelns verstehen! Betätigungsfelder gäbe es reichlich, reden wir von einem: Liebes Tirol, Du bist nach Salzburg der zweitgrößte Klimasünder Österreichs. Nicht freiwillig, ich weiß. Deine PolitikerInnen nehmen nicht nur die ökologische Verantwortung nicht wahr, sondern vergeben auch Deine enormen wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten. Sie lassen tausende Green-Jobs, gute Arbeitsplätze, liegen. Deine Landesräte und -innen klinken sich aus der globalen und regionalen Verantwortung aus, ignorieren "klimatische Veränderungen". Du solltest an deinen Hängen keine weiteren Verbauungen mehr ertragen müssen, in deinen Tälern keine weitere Verstopfung, keinen Stauinfarkt auf den Durchzugsrouten und keinen dumpf beschallten Dumping-Massen-Tourismus. Kernthemen von heute und morgen sind Verantwortung, Nachhaltigkeit, Denken im Ganzen und nicht im Einzelnen, nicht im Egoistischen. Du brauchst eine neue politische Kultur der Klugheit, Sensibilität, Empathie, der Kommunikation und eine Kultur der beherzten Gestaltung. Sehr, sehr schnell, lange vor dem dunklen Loch im Berg.


Angelika Hörmann

Sprecherin der Grünen Wirtschaft Tirol


Mail: angelika.hoermann@gruenewirtschaft.at


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