Samstag 11. Februar 2012
Berichterstattung | 16.07.2010

Harte Wifo-Kritik an Österreichs Umweltpolitik

Österreich habe die selbst gesteckten Klima- und Umweltziele bisher verfehlt

Auch die Abkoppelung von Wirtschaftswachstum und Energie- und Materialeinsatz sei nicht gelungen, sagte gestern Wifo-Chef Karl Aiginger bei einem Pressegespräch in Wien.

Als Beispiel nannte Aiginger das verfehlte Kyoto-Ziel. Statt die Treibhausgas-Emissionen gegenüber dem Niveau von 1990 um 13 % zu senken, seien sie bis 2008 um 10,9 % gestiegen.

Es sei in der Vergangenheit einiges falsch gelaufen. Wenn die österreichische Wirtschaft um ein Pro­zent wächst, steige der Energieverbrauch immer noch um 0,7 %, sagte Aiginger. Damit sei auch die Auslandsabhängigkeit größer geworden. Bei fossilen Materialien hat sich die Importquote von 85,6 % im Jahr 1995 auf 92,7 % erhöht.

Die wichtigsten Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs sieht Wifo-Ökonom Stefan Schlei­cher im Bereich Gebäude und Mobilität. Bei Neubauten sollen Passiv- und Plusenergiehäuser Stan­dard werden.

Das Wifo präsentierte gestern auch ein Zehn-Punkte-Programm zur Verringerung der Material- und Energieintensität. Einer der Punkte ist die Erhöhung der Mineralölsteuer um zehn Cent pro Liter Benzin und Diesel. Die Milliarde Euro, die diese Erhöhung bringen würde, sollte je zu einem Drittel zur Budgetkonsolidierung, zur Senkung der Sozialversicherungsbeiträge für die unteren Einkommens­klassen und in die Förderung von Umwelttechnologien fließen. Bei der Budgetkonsolidierung dürfe es zu keinem Stopp der Investitionen im Klima- und Umweltbereich kommen, sagte Aiginger.

(OÖN, auch SN, Österreich)

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