PRESSEAUSSENDUNG GRÜNE WIRTSCHAFT STEIERMARK | 08.07.2010
Grüne Wirtschaft will Lehre reformieren!
Verlängerung der Schulpflicht, Berufsschule NEU, bessere Berufsberatungen.
Sabine Jungwirth, Landessprecherin der Grünen Wirtschaft und Grüne Landtagskandidatin, fordert grundlegende Reform: Verlängerung der Schulpflicht, Berufsschule NEU, bessere Berufsberatungen.
Dieser Tage endet für fast 100.000 Jugendliche das 9. Schuljahr und damit die Schul- bzw. Unterrichtspflicht. Rund 40% von ihnen stehen an der Schwelle zum Einstieg in die Berufsausbildung, ca. 10% werden als HilfsarbeiterInnen oder unbezahlt im familiären Haushalt zu arbeiten beginnen. Aus diesem Grund warf Sabine Jungwirth, Landessprecherin der Grünen Wirtschaft und Grazer Kandidatin für die Landtagswahl am 26. September, einen genauen Blick auf das österreichische System der dualen Ausbildung und bringt heute konkrete Vorschläge für eine grundlegende Reform.
Bei ihrer Analyse stellt sie vier schwerwiegende Problemfelder fest:
- Die Zahl der betrieblichen Ausbildungsplätze geht immer weiter zurück: „Vor 30 Jahren haben noch 23 % aller Betriebe Lehrlinge ausgebildet, heute sind es nur mehr 15 %", so Jungwirth. 2009 standen 4300 Lehrplatzsuchende nur 2700 offenen Lehrstellen gegenüber. Die Betriebe bemängeln gleichzeitig ein geringes Bildungsniveau der SchulabsolventInnen.
- Die Lehrausbildung verliert an Qualität und Modernität: „ExpertInnen gehen davon aus, dass derzeit nur etwa ein Drittel der Ausbildungsbetriebe qualitativ hochwertige Lehren anbieten kann, die für die Zukunft gute Berufsperspektiven schaffen. Neue Wirtschaftzweige, wie beispielsweise die IT-Branche, verfügen oft noch über zu wenig Ausbildungskompetenz", betont die Landessprecherin der Grünen Wirtschaft.
- Frustrierende Lehrzeit: Mehr als 20 % der Lehrlinge sagen laut Studien, dass ihre Ausbildung nicht ihrem Berufswunsch entspricht, 23 % würden einen anderen Beruf ergreifen wollen. Nur 30 % der Jungen bleiben nach Ende der Ausbildung im selben Betrieb weiter beschäftigt, zwei Jahre danach sind nur mehr 54 % überhaupt in der gleichen Branche. Einer der Hauptkritikpunkte von Lehrlingen ist, dass sie ausbildungsfernen Tätigkeiten nachgehen müssen.
- Selektion als System: Jährlich verlassen fast 10 % aller Jugendlichen schon mit 14 oder 15 Jahren das Bildungssystem mit maximal einem Pflichtschulabschluss. Das sind etwa 8.000 Jugendliche, die eine Zukunft als DauerkundIn beim AMS, HilfsarbeiterInnen und prekär beschäftigte working poor erwartet. Auch ihre Pensionsansprüche bleiben voraussichtlich minimal. IHS-ExpertInnen gehen von einer Dunkelziffer von 10.000 aus.
Jungwirth tritt daher für rasche Reformen ein: „Mit ihrem Nicht-Handeln setzen SPÖ und ÖVP die Zukunft von zehntausenden jungen Steirerinnen und Steirern aufs Spiel - es wird so getan, als gäbe es gar keine Probleme."
Sie verlangt nun klare Maßnahmen:
- Verlängerung der Schulpflicht: „Mit 14 Jahren ist es oft zu früh, sich verantwortungsvoll und nachhaltig für einen weiteren Werdegang entscheiden zu können. Ein Hinausschieben dieses Zeitpunktes und eine Ausweitung der schulischen Bildung zu Gunsten eines höheren Allgemeinbildungsniveaus ist erstrebenswert", so die Grüne Landtagskandidatin.
- Bessere Bildungs- und Berufsberatung: „Eine im Lehrplan integrierte, prozessorientierte Bildungs- und Berufsberatung ab dem Beginn der 8. Schulstufe durch hochqualifizierte BeraterInnen ist anzustreben. Auch im weiteren Berufsleben sind regelmäßige Standortbestimmungen und (Weiter-)Bildungsberatungen bei kompetenten Bildungsberatungszentren wünschenswert."
- Aufbau eines trialen Ausbildungssystems: Zur Entlastung der Ausbildungsbetriebe, breiteren praktischen Qualifikation der Lehrlinge und besseren Allgemeinbildung soll die Ausbildung je zu einem Drittel in der Berufsschule, einer überbetrieblichen Lehrwerkstätte und einem Ausbildungsbetrieb stattfinden.
- Die Berufsschule NEU als Ausbildungszentrum: Als Zentrum der trialen Ausbildung fungiert die Berufsschule NEU. „Statt einem Ausbildungsvertrag zwischen Auszubildendem/r bzw. deren/dessen Erziehungsberechtigten und dem Ausbildungsunternehmen, wird von der Berufsschule mit den Unternehmen der Region eine vertragliche Ausbildungsallianz eingegangen. Unternehmen, die definierten Qualitätsstandards entsprechen, werden zum Ausbildungspartner und erhalten dafür fixe regelmäßige finanzielle Leistungen", schlägt die Landessprecherin der Grünen Wirtschaft vor. Nach jedem Lehrjahr findet eine Zwischenschau durch Berufsschule, Lehrling und AusbildnerIn gemeinsam statt, bei Problemen oder veränderten Rahmenbedingungen kann ohne weiteres ein Wechsel des Ausbildungsbetriebes vorgenommen werden.
- Überbetrieblicher Ausbildungsfonds: Dieser soll zum Lastenausgleich zwischen ausbildenden und nichtausbildenden Betrieben eingerichtet werden. So können im Rahmen der notwendigen Budgetkonsolidierung öffentliche Gelder für diverse Ausbildungsfördersysteme eingespart werden, ohne Qualitätsverluste befürchten zu müssen.
Rückfragen bitte an: Helene Zand, Grüne Wirtschaft, 0664 8317534