
Eine intensive Archivpflege oder besondere Befassung mit der damaligen Geschichte findet in der Wirtschaftskammer - noch - nicht statt. Doch für die Aufarbeitung jener Zeit "tragen wir alle Verantwortung, auch Einrichtungen wie die Kammern", betont Scheinast. Aus der Vertreibung und Ermordung von Geschäftsleuten wie Emilie und Ludwig Fischer hätten seinerzeit viele Menschen und Institutionen Kapital geschlagen, man brauche nur an die Sozialversicherung zu denken, die durch die NS-Gräuel über gut gefüllte Kranken- und Pensionskassen ohne Zahlungsverpflichtung verfügte. "Dieser Geschichte haben sich die Nachfolgeinstitutionen zu stellen, das gehört aufgearbeitet", verlangt Scheinast.
Einige Daten zum Ehepaar Fischer:
Gemeinsam mit dem Ehepaar Klara und Heinrich Aninger betrieben die Fischers in der Sigmund Haffner Gasse 7-9 eine Gemischtwarenhandlung. Klara Aninger und Emilie Fischer waren Schwestern. Am 5. Juli 1938 wurde die Konzession für die Gemischtwarenhandlung eingezogen, die Geschäftsleute vertrieben und am 23. November 1938 die Löschung des Gewerbes behördlich verordnet. Am 14. Juli 1942 erfolgte die Deportation beider Ehepaare nach Theresienstadt: Heinrich und Klara Aninger verstarben noch im selben Jahr, Emilie Fischer 1943, Ludwig Fischer 1944.

Die von der "Grünen Wirtschaft" gesponserten Stolpersteine für Emilie und Ludwig Fischer wurden am 22. Juni um ca. 15 Uhr an der Wohnadresse der Fischers - Franz Josef Strasse 12 - verlegt.