Seit Jahren produziert Niederösterreichs Steinmetz-Innung gemeinsam mit der dortigen Fotografen-Innung, beides fast reine Männervereine, einen Pin-up Kalender. Damit verletzen sie den Selbstbeschränkungskodex der heimischen Werbewirtschaft.
„Der Anteil an Funktionärinnen in den Wirtschaftskammern Österreichs insgesamt ist verschwindend gering, das ist traurig genug. Aber nicht einmal im Einflussbereich der einzigen österreichischen Landeswirtschaftskammerpräsidentin, Sonja Zwazl, gelingt es, die Herrenwitze-Kultur unter Funktionären in ihre Schranken zu weisen. Doppelt ungustiös ist, wenn sich ältere Wirtschaftsbund- (oder Kammer-) Funktionäre von Innung zu Innung Aufträge zuschanzen, um sich das Ausleben ihrer Männerfantasien mit Mitgliedsgeldern bezahlen zu lassen", kritisiert Hörmann.
Die Wirtschaftskammer könnte vorzeigen, wie man intelligent und ideenreich wirbt und damit Zielgruppen effizient anspricht. Statt dessen verzichtet Niederösterreichs Fotografen- und Steinmetz-Innung darauf und setzt lieber auf platten Sexismus.
Peter Drössler, Vorsitzender und Obmann im Fachverband Werbung und Marktkommunikation, fordert die sofortige Entfernung der Bilder aus dem Internet: „Es ist unerträglich, dass Teilorganisationen der österreichischen Wirtschaftskammer Ethikstandards ignorieren, die sich die österreichische Werbewirtschaft selbst auferlegt hat." Auf der Website des Werberates (www.werberat.at) sind diese Standards öffentlich einsehbar.
Drössler sieht in diesem Kalender einen klaren Verstoß gegen den Punkt 2.2 des Kodex, der sich gegen Frauendiskriminierung wendet.
„Sollten die chauvinistischen Männer in den beteiligten Innungen kein Einsehen haben, erwarte ich mir von Präsidentin Zwazl, dass sie im Interesse aller Frauen Österreichs in ihrer Landesorganisation rasch für respektvolle Umgangs- und Werbeformen sorgt", fordert Hörmann abschließend.