Samstag 11. Februar 2012
Erdöl-Krise | 25.06.2008

Plass: »Wirtschaftskammer verschläft Erdöl-Krise!«

Reform der Fachorganisationen vollkommen ungenügend

 

»Der Ölpreis explodiert, das Wirtschaftswachstum bricht ein, selbst Saudi-Arabien ist ratlos und handlungsunfähig, aber in der Wirtschaftskammer schlafen alle«, ärgert sich Volker Plass, Bundessprecher der Grünen Wirtschaft. »WKÖ-Präsident Leitl soll endlich erklären, welche Rezepte er angesichts der bevorstehenden globalen Energiekrise hat und womit er den zu erwartenden Schaden von der österreichischen Wirtschaft abwenden will!«

 

Am Donnerstag wird der ÖVP-Wirtschaftsbund im Wirtschaftsparlament einen Antrag der Grünen ablehnen, mit dem ein Masterplan für den weitest gehenden Ausstieg aus den fossilen Energieträgern gefordert wird.

 

»Die Zeit des Zauderns und Beschwichtigens ist jetzt endgültig vorbei. Wir brauchen 1. einen massiven Kraftwerksausbau im Bereich der erneuerbaren Energien, wir müssen 2. die Gebäudesanierung und Wärmedämmung radikal beschleunigen, wir sollten 3. den Autoverkehr weitestgehend auf Elektroantrieb umstellen, wir benötigen 4. in Bereichen wie Bauen, Heizen und Beleuchtung einen flächendeckenden Technologiewechsel, und wir müssen 5. intensiv in die Entwicklung von Energiespeicher-Technologien investieren«, erläutert Plass die wesentlichen Eckpunkte.

 

Mit der Sonnenenergie stünde fünf Milliarden Jahre lang ein Rohstoff zum Nulltarif zur Verfügung, und die Energiewende sei auch eine gigantische Chance für die österreichische Wirtschaft, meint Plass. »Die Wirtschaftskammer muss sich entscheiden, ob sie die Energiewende aktiv mitgestalten will oder ob sie als Verhinderungssaurier des Erdölzeitalters in die Geschichte eingeht.«

 

Bezüglich der heute präsentierten Fachorganisationsreform spart Plass ebenfalls nicht mit Kritik an den Kammerverantwortlichen: »Auch nach dieser angeblichen Reform hat die Kammer über 1.000 großteils sinnlose Gremien. Da werden vollkommen unterschiedliche Branchen wie Schuster und Zahntechniker oder Fleischhauer und Konditoren zusammengewürfelt, aber an den haarsträubenden Zehnfachstrukturen wird nicht gerüttelt«, kritisiert Plass.

 

Die Kammer müsse in ihren Strukturen moderne Branchencluster wie zum Beispiel die Energie- und Umwelttechnik oder die Kreativwirtschaft abbilden, fordert die Grüne Wirtschaft. Man müsse endlich zur Kenntnis nehmen, dass die Wirtschaftspolitik heute nicht mehr in Landesinnungen, sondern großteils auf europäischer und globaler Ebene gestaltet wird. Und man müsse auch den Wirtschaftswandel hinsichtlich der Unternehmensformen besser berücksichtigen: »Wir brauchen nicht zehn Schuster-Zahntechniker-Innungen solange es für 200.000 Ein-Personen-Unternehmen keine institutionalisierte Interessenvertretung gibt. Wir brauchen Kammerstrukturen des 21. Jahrhunderts. Die Zunftordnung des 19. Jahrhunderts um 30 Prozent zu reduzieren ist zu wenig«, so Plass abschließend.

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