Anstelle der von WKÖ-Präsident Christoph Leitl heute
der Steuerreform-Kommission präsentierten Forderung, die überaus komplizierte Sechstelbegünstigung auch
für Selbstständige einzuführen, schlägt die Grüne Wirtschaft eine für alle Steuerpflichtigen geltende Universalabgabe vor. Mit dieser Universalabgabe sollen Sozialversicherungsbeiträge, Lohn- und Einkommen-
steuer zusammengefasst und vereinheitlicht werden.
Die bestehenden steuerlichen Vorteile des 13. und 14. Monatsgehalts müssen in dieses Universalabgaben-
Modell selbstverständlich voll integriert werden, erläutert Plass. Ein Jahreseinkommen von etwa 12.000 Euro wäre nach diesem Modell komplett abgabefrei. Für die Einkommensbestandteile darüber sollte es ein extrem einfaches Steuermodell mit einem einzigen oder
maximal zwei Tarifen geben.
»Der viel zitierte Mittelstand ist besonders durch die in Österreich sehr hohen Sozialversicherungsbeiträge belastet. Bei KleinunternehmerInnen mit ca. 33.000 bis 55.000 Euro Bemessungsgrundlage wird jeder zusätzlich verdiente Euro mit 57,66% belastet. Das ist deutlich mehr als bei sehr gut verdienenden Angestellten", erläutert Plass. "Würde man das Sozialsystem gänzlich aus dem Steueraufkommen finanzieren, wäre dies die effektivste Entlastung des Mittelstandes!«
Da im vorgeschlagenen Modell die steuerlichen
Vorteile des 13. und 14. Monatsgehalts nicht angetastet werden, muss niemand befürchten, dass ihm etwas weggenommen werde, meint Plass: »Die derzeitige Regelung ist nichts anderes als staatlich verordnetes Zwangssparen. Damit sollten wir endlich Schluss machen! Wäre ich Angestellter, wäre ich dagegen, dass mir Gehaltsbestandteile ein halbes Jahr ohne Zinsen vorenthalten werden. Wer Urlaubs- und Weihnachtsgeld ansparen möchte, kann ja mit seiner Hausbank einen entsprechenden Dauerauftrag abschließen.«
Das zur Verfügung stehende Entlastungsvolumen der kommenden Steuerreform sollte praktisch gänzlich zur Entlastung des Faktors Arbeit im Bereich der niederen Einkommen und des Mittelstandes herangezogen werden. Für eine ebenfalls nötige deutliche Anhebung der Spitzensteuersatzgrenze sollte es eine faire Gegenfinanzierung im Bereich der Vemögenssteuern geben. Hier sei Österreich in Europa ohnehin eines der Schlusslichter, meint Plass: »Uns ist vollkommen unklar, warum die Wirtschaftskammer im Bereich der Vermögenssteuern so auf der Bremse steht. Die Kammer ist die Interessenvertretung der arbeitenden und leistungsbereiten Unternehmer, nicht der Verein der Millionenerben und Vermögensbesitzer!«
Weiters fordert Plass eine klare Unterstützung des
von der Grünen Partei vorgelegten ökologischen Steuermodells durch die Wirtschaftskammer: »Wir müssen die Energiewende mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unterstützen und beschleunigen. Auch bei den Ressourcensteuern sind wir weit hinter andere EU15-Länder zurückgefallen, und die damit erzielten Einnahmen kämen durch eine Stärkung der Kaufkraft und eine Entlastung der Betriebe bei den Lohnnebenkosten unmittelbar der Wirtschaft zu Gute«, so Plass abschließend.